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Maria von Ehren geb. Struwe, 1876 – 1964

Maria von Ehren geb. Struwe, 1876 – 1964

Maria von Ehren geb. Struwe, 1876 – 1964

Foto: Jürgen und Maria von Ehren 

Zarte Frau buckelt Kohlensäcke

Tod des Fischers

Maria Struwe, heiratete mit 22 Jahren den Fischer Jürgen von Ehren, wurde aber schon mit 39 Jahren Witwe, als ihr Mann (1867 – 1913), Miteigner des Ewers SB 11b Metta,  an offener TB verstarb. Vorausgegangen war ein langes Krankenlager.

Seine letzten Jahre hatte Jürgen auf dem Sofa zubringen müssen, sich manchmal die Lunge aus dem Leib gehustet und immer wieder Blut, Blut, Blut gespuckt. Da er tagsüber seinen jüngsten Sohn Herbert hüten musste, ließ er ihn vor seinem Sofa im Wohnzimmer spielen. So konnte er den Kleinen die ganze Zeit über im Auge behalten. Doch weil ihn immer wieder schreckliche Hustenanfälle übermannten, schaffte er es nicht immer, den Jungen vor Kontakt mit seinem Auswurf zu schützen. Zum Glück blieb der Kleine von der Krankheit verschont.

Jürgens Frau Maria hatte neun Geburten hinter sich. Ihre jüngste Tochter Ernawurde geboren, als Jürgen bereits auf dem Sterbebett lag. Zwei Wochen vor Ableben ihres Mannes verstarb der älteste Sohn in einem Kieler Krankenhaus. Er war gerade einmal 15 Jahre alt und hatte  als Moses an Bord eines Schiffs gearbeitet. Nun stand die kleine zierliche Frau mit sieben hungrigen Kindern allein da. Doch wegen ihrer liebenswerten Art halfen ihr die  Nachbarn.

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Jürgen und Maria von Ehren
sowie Jürgen, Georg und Ernst (von rechts)

Als sich dann aber herausstellte, dass sich Maria bei ihrem Mann angesteckt hatte und ebenfalls an TBC erkrankt war, muss die Verzweiflung grenzenlos gewesen sein. Gottlob konnte die Krankheit bei ihr auskuriert werden.

Kohlenträgerin

Vom Todesjahr ihres Mannes – von 1913 bis 1920 –  trug die kleine zarte Person Kohlen im Treppenviertel aus.  Treppauf, treppab buckelte sie schwere Säcke voller Brikett und Klobenholz. Aufwärts schleppte sie einen halben Zentner, abwärts sogar einen ganzen. Wo immer es möglich war, nutzte sie bei Schnee die Kreek , den Lastschlitten der Blankeneser, ansonsten einen Blockwagen zum Transport des Heizmaterials. Zwar nützte der Standort ihrer Wohnung in Strandnähe, denn die meisten Kohlenhöker hatten dort  ihre Betriebe, weil sie per Schiff beliefert wurden. Doch die schwere und schmutzige  Arbeit wäre eigentlich eine typische Männeraufgabe. Aber was blieb ihr anderes übrig?

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Ehepaar von Ehren

Man kann sich vorstellen, dass sie für ihre Dienstleistung nur einen erbärmlich geringen Lohn erhielt. Doch ihre hungrigen Kinder Jürgen, Ernst, Georg, Jonny, Maria, Erna und Herbert mussten irgendwie satt werden.

Wieder schlägt das Schicksal zu

1918 erlitt Maria von Ehren einen weiteren schweren Schicksalsschlag: Ihr geliebtes Mariechen, ihr blondlockiger Sonnenschein, verstarb mit 10 Jahren an Diphtherie.

Ihr Sohn Ernst trug in dieser Zeit die Seestiefel seines verstorbenen Vaters für den Schulweg auf, nachmittags musste er barfuss laufen. Anderes Schuhwerk hatte er nicht. Er erbte auch Vaters Fischerhose, die lange Zeit seine einzigen Beinkleider waren. Gingen sie mal kaputt, kam er so lange ins Bett, bis Maria sie repariert hatte.

Nach Ableben ihres Schwiegervaters Jacob von Ehren im Jahr 1920 übernahm Maria die winzige Hökerei in der Hauptstraße 10, für die der Segelmacher Peter von Ehren schon 1855 die königlich-dänische Konzession erhalten hatte. (Das dänische Dokument  wird immer noch in der Familie von Ehren aufbewahrt und ist in deutscher Sprache abgefasst, vielleicht auch, weil die Hauptsprache am dänischen Hof das Deutsche war.)  Sohn Georg  half immer mal im Laden, wenn eine zusätzliche Hand gebraucht wurde. Doch seine Hilfen eröffneten keine neuen Geschäftsfelder. Es waren nach wie vor harte Jahre für Maria. Sie besaß nur zwei Kleider, Kleidungstücke sollte man besser sagen, die sie abwechselnd trug. Zu mehr reichte es nicht.

Die gesamtwirtschaftliche Situation Deutschlands war in den 1920er Jahren alles andere als rosig. Hinzu kam, dass der von Ehren´sche Laden viel zu klein war, um der Nachbarschaft ein breites Warenangebot bieten zu können. Es dauerte deshalb immer sehr lange, bis ein Sack Mehl verkauft war. Und der Erlös war äußerst gering.

Dann starb bei Kriegsende – im Mai ´45 – der jüngste Sohn Herbert, der Frau und drei Kinder hinterließ. 1954 fiel ihr  zweitältester Sohn Georg beim Birnenpflücken vom Baum und brach sich das Rückgrat. Drei Jahre später kam Marias Enkel  bei einem Kopfsprung von der Grömitzer Schiffsbrücke mit 25 Jahren ums Leben.

Stolz auf Kinder und Kindeskinder

Voller Stolz hatte sie die Reiserouten ihres Sohnes Ernst, einem Handelsschiff-Kapitän, im Atlas verfolgt. Sie wusste immer genau, in welchem Teil der Welt er sich gerade befand. Ähnliches tat sie bei ihrem Enkel Ernst. Besonderer Stolz erfüllte sie, als Enkel Ernst zum Elblotsen gewählt wurde. Davon hatte sie immer geträumt.

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Maria war zeitlebens eine blitzsaubere Frau.

Und obwohl die TB längst auskuriert war und sie niemanden mehr anstecken konnte, passte sie zeitlebens auf, dass Lebensmittel nicht von ihr berührt wurden, bevor sie die Enkel erhielten. So gab es in ihrem Küchenschrank ein Süßigkeiten-Fach, das für Familienangehörige und Freunde vorgesehen war. Sie selbst griff dort nie hinein.

1942 ist Maria in Rente gegangen und hat den kleinen Laden aufgegeben.
Ihr Leben hat sich danach still und leise – zusammen mit Sohn und Schwiegertochter im ererbten Haus  – vollendet.
Bis zum Schluss konnte sie in ihren vertrauten vier Wänden bleiben.

 Trotz ihres harten Schicksals und der schweren körperlichen Arbeit verstarb sie erst 1964 im gesegneten Alter von 88 Jahren.

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