Blankenese im Gespr├Ąch

Vorhin Vorbeigerauscht: „Cap San Augustin“ ­čçę­čç░

Die Cap San Diego der Reederei f├Ąhrt f├Ąhrt Richtung S├╝damerika an Blankenese vorbei
Die Cap San Augustin in Richtung Gro├čer Teich, Fahrtziel: S├╝damerika. Foto: ┬ę waw 2020

Ich gebe zu: Beim Anblick der Hamburg-S├╝d-Schiffe, wie hier der Cap San Augustin vor dem Ponton op’n Bulln, werde ich regelm├Ą├čig sentimental. Das hat zwei Gr├╝nde:

Erster Sentimentalit├Ątsgrund: Die „Hamburg S├╝damerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft A/S & Co KG„, kurz: Hamburg S├╝d, war seit 1871 ein stolzes Unternehmen mit Sitz in Hamburg. Das blieb es auch, als 1955 die Bielefelder Familienfirma Oetker-Gruppe einstieg. Aber nun kommt’s: Seit dem 1. Dezember 2017 ist Hamburg S├╝d nur noch eine von vielen Tochtergesellschaften des weltgr├Â├čten Reedereikonzerns A. P. Moller-Maersk Group. Und der dirigiert die Hamburger vom d├Ąnischen Hafen Esbjerg aus – fast 150 Jahre hanseatischer Stolz vorbei… schade, schade, schade.

Kaufleute denken nat├╝rlich in anderen Dimensionen. Und Familienbetriebe sowieso. Die zerstrittenen Oetkers brauchten die 3,7 Milliarden Euro Kauferl├Âs, um das Risikogesch├Ąft Seefahrt abzusto├čen und sich gesch├Ąftlich neu zu sortieren. Und so kann es sein, dass die Cap San Augustin und alle anderen Schiffe des Oetker-Weltimperiums irgendwann den orangenen Traditionsanstrich gegen das einheitliche Maersk-Blau zu verlieren.

Ich kann nicht sagen, was in f├╝nf bis sieben Jahren sein wird.

Maersk-Chef S├Şren Toft 2018

Jetzt der zweite Grund, warum Hamburg-S├╝d-Schiffe in mir Nostalgie wecken: Er ist meinen seit 1919 in Argentinien lebenden Gro├čeltern geschuldet. Die waren in meiner Kindheit mehrmals mit dem Hamburg-S├╝d-Frachtschiff Cap San Diego (ja, die museale Cap San Diego von den Landungsbr├╝cken) von Buenos Aires zu uns nach Hamburg gereist.

Die Reise meiner atrgentinischen Gro├čeltern dauerte in der damaligen Trampschifffahrt zwischen vier und sechs Wochen. Es war ja noch eine containerlose Zeit und bei vielen Hafenhalts mussten die S├Ącke, Kisten und Tonnen einzeln aus dem Schiffsbauch heraus oder hinein geladen werden. Das dauerte…

Wenn die Gro├čeltern schlie├člich nach wochenlanger Fahrt ├╝ber den Atlantik am Elbhorizont auftauchten, stand ich als kleiner Knirps mit meinen Eltern auf dem Blankeneser Bulln und schwenkte zur Begr├╝├čung des Hamburg-S├╝d-Schiffes Cap San Diego einen Blumenstrau├č. Dann fuhren wir rasch in den Hafen, um die Weitgereisten direkt von Bord abzuholen.

Eigentlich hatte ich immer den Traum, die weite Reise meiner Gro├čeltern eines Tages selbst nachzuvollziehen. Anstatt mit dem Flugzeug an Bord eines Frachters den Atlantik ├╝berqueren – das w├Ąr’s. Leider hat Maersk nach der ├ťbernahme von Hamburg-S├╝d die traditionsreiche Mitnahme von Passagieren beendet. Und damit ist auch mein Wunschdenken fl├Âten gegangen …­čĺž

Das k├Ânnte auch etwas f├╝r Sie sein

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