(26. Mai 2026) Ein Bild in den Zeitungen – eine große Gruppe – hauptsächlich Blankeneser Geschäftsleute – in der letzten Woche – mitten auf der Bahnhofstraße… Das gab es noch nicht.
Was ist da los?
Langsam: Vor längerer Zeit wurden Überlegungen angestellt, wie ‚Mobilität‘ in den kommenden Jahren in Blankenese aussehen soll. Der Arbeitskreis Ortskern (damals noch mit Eberhard Fledel – verst. 2026), der sich mit vielen anderen aktiven und engagierten Blankenesern mit der Marktplatzumgestaltung auseinandergesetzt hatte, hat dieses Thema aufgenommen. Das große Ziel – für alle nachvollziehbar: Blankenese soll ein attraktiver Standort für die Bewohner, die Geschäftsleute, für Touristen sein – auch in Sachen ‚Mobilität‘.
Um zu einer guten, von den Blankenesern geteilten Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes zu kommen, wurde die Bildung eines Bürgerrats bei der Bezirksversammlung Altona angeregt – und genehmigt (Beschluss am 25.1.2024). Das Ergebnis des Bürgerrates sollte eine Beratungshilfe für die politischen Entscheidungsträger werden. Wichtig dabei auch: das Zusammenspiel von Zivilgesellschaft, Bezirk und Politik zu intensivieren.
Von Beginn an – so der Arbeitskreis, ausgehend von den Marktplatzerfahrungen – sollten die Blankeneser mitgenommen werden, öffentliche Workshops sollten stattfinden, Vortragsveranstaltungen das Thema eröffnen. Das wurde von Seiten des Bezirksamtes vor dem Start des Projektes abgelehnt, weil solche Workshops den Bürgerrat in seiner freien Entscheidung beeinflussen würde – hieß es. Solche Aktivitäten könnte es – wenn überhaupt – nur nach dem Abschluss der Arbeit des Bürgerrates geben, sie dürften allerdings das Ergebnis des Rates nicht in Frage stellen.
Das Bezirksamt hat im Dezember 2024 ‚TOLLERORT entwickeln & beteiligen‘ dazu beauftragt, diesen Bürgerrat zusammenzustellen und mit ihm ein Ergebnis zu erarbeiten. Immerhin hat der Bezirk Altona großzügig über 65.000 Euro für dieses Pilotprojekt zur Verfügung gestellt.
Ein losbasiertes Verfahren wurde initiiert (wobei merkwürdigerweise viele der bisher schon Beteiligten „zufällig“ per Los in den Rat gewählt wurden…).
Ein Punkt des Abschlussberichtes (Sie können den hier nachlesen), „Leitziel 2“, bringt nun nicht nur Geschäftsleute, Ärzte und andere Freiberufler auf die Straße:
Vgl. S. 17: Leitziel 2: Attraktiver Ortskern mit hoher Aufenthaltsqualität
Handlungsziele
… 2. Verkehrsberuhigung, ggf. Sperrung für den MIV (Motorisierter Individualverkehr- Red.), in der Propst-Paulsen-Straße und auf einem Abschnitt der Blankeneser Bahnhofstraße erproben. (Es ist der Abschnitt von der Kreuzung Auguste-Baur-Straße, Oesterleystraße bis zur Straße Am Kiekeberg. Red.)…
Dauer dieses Experiments: z.B. drei bis sechs Monate. Und wenn die nötige Akzeptanz zustande kommt, dann könnte auch das Straßenprofil angeglichen werden.
Laut Beschluss der Bezirksversammlung Altona (Drucksache 21-4685B) sollen „ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen“ für „eine Umsetzung der in diesem Beteiligungsprojekt entwickelten Maßnahmenvorschläge […] bereitgestellt werden“.
Das Foto in der Presse ist die Reaktion auf diese Vorschläge.
Zur Reaktion, die auf der Straße genannt wurde, gehört allerdings auch: Von den Kaufleuten kommt keine grundsätzliche Ablehnung der Vorschläge dieses Papiers. Sie begrüßen die Idee des Bürgerrates. Es gibt die ausdrückliche Zustimmung zu einzelnen Punkten, wie zur Forderung einer Bushaltestelle vor den Schulen, einer stärkeren Nutzung des Marktplatzes oder für feste Parkzonen für E-Scooter. Auch der Gedanke einer Fußgängerzone in der Bahnhofstraße wird nicht grundsätzlich abgelehnt.
Nur, so die Protestierenden, dazu wäre eine gemeinsame Planung und ein angemessener Zeitraum für eine evtl. mögliche Umsetzung notwendig. Es müssten doch die Auswirkungen dieser Sperrung auf die umgrenzenden Bereiche berücksichtigt und geregelt werden – so die Stimmen auf der Straße, ebenso bräuchte es Lösungen für diejenigen, die auf das eigene Fahrzeug angewiesen sind.

Die Geschäftsleute stehen nun auf der Bahnhofstraße, weil sie an der Erarbeitung der Vorschläge nicht beteiligt wurden, sie wurden – so hört man – auch nicht als „Betroffene“ befragt. Das war wohl beim Bürgerrat nicht vorgesehen, die Befürchtungen der Händler scheinen dem Bürgerrat nicht bekannt oder wesentlich gewesen zu sein, nämlich Sorge vor Umsatzeinbußen, Verlust von Kunden. Eine Stimme: „Wer nicht in die Nähe vorfahren kann, fährt dann lieber gleich ins EEZ oder bestellt den Lieferdienst.“ Das gilt aus der Sicht der Geschäfte auch für eine kurzfristige Sperrung: Wer einmal einen anderen Bezugsweg eingeschlagen hat – so die bittere Erfahrung der Kaufleute -, der kann dauerhaft sein Einkaufsverhalten geändert haben. Darum lehnen sie solch ein kurzfristiges Experimentieren entschieden ab. „Wir sind keine Versuchskaninchen“ heißt es und sie drohen mit einem Bürgerbegehren.
Noch ist kein offizieller Beschluss zur Umsetzung gefasst. Aber die Zeit ist eng: Am 1. Juni soll über das Gutachten im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung Altona beraten werden… Da es eine öffentliche Sitzung sein wird – hier die Einladung:
Einladung zur öffentlichen Sitzung des Mobilitätsausschusses
Die Frage steht im Raum:
Wie kann aus dieser Situation ein gutes Miteinander in Blankenese werden?


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