Zwischen Elbe, Hangkante und Kastanienallee entfaltet sich in Blankenese ein Stück Kultur- und Gartengeschichte: Baurs Park. Was heute Spaziergängerinnen und Spaziergänger mit weiten Rasenflächen, alten Baumriesen und Elbblicken genießen, war im 19. Jahrhundert ein Gesamtkunstwerk im anglo-chinoisen Stil – mondän, verspielt und weit über Hamburg hinaus bekannt.
Ein Park als Bühne der Zeit
Ab 1812 erweiterte der Hamburger Kaufmann Georg Friedrich Baur, der sein Geld mit vielfältigem Handel und Transport gemacht hatte (auch Sklaventransporte gehörten dazu), seinen Landsitz am Elbhang auf rund 16 Hektar. In mehreren Bauphasen – besonders zwischen 1817 und 1832 – ließen Architekten und Gärtner die Anlage zu einer Parklandschaft reifen, die den Geschmack der Zeit aufgriff. 1833 holte Baur den vielseitigen Planer Joseph Ramée zurück, der in Frankreich im anglo-chinoisen Gartenstil ausgebildet worden war. Dieser Stil, inspiriert von Kew Gardens bei London, setzte auf exotische Staffagebauten: Pagoden, Tempel, Ruinen – romantische Kulissen, die den Spaziergang zum Erlebnis machten.
Die politische Großwetterlage nach dem Wiener Kongress (1815) spielte der Parkmode in die Karten: In der Epoche der Restauration wurden Gärten kleinteiliger, Rasenflächen traten an die Stelle wilder Wiesen, exotische Gehölze wurden zum Statussymbol, und bunte Teppichbeete schmückten die Häuserfronten. Baurs Park wurde so zur Attraktion ersten Ranges; gegen ein kleines Entgelt durften Besucherinnen und Besucher flanieren – die Einnahmen gingen an die Armenkasse.
Pagoden, Tempel, Grotten – ein romantisches Programm
Zeitgenössische Berichte zeichnen ein farbiges Bild: Auf dem Kanonenberg erhob sich eine chinesische Pagode „voll schräger Dächer“ und vergoldeter Glöckchen; im Osten standen gleich mehrere Tempel – darunter ein „ägyptischer“ –, im Westen eine künstliche Turmruine und ein dorischer Tempel. Rosen- und Weinlauben luden zum Verweilen, ein „Japanischer Schirm“ – ein überdachter Sitzplatz – bot Schutz bei Regen. Zypressental, Birkenhain, stille Grotten: Der Park war inszenierte Natur, Schritt für Schritt.
Von diesen Kleinbauten ist heute nichts mehr erhalten. Die Pagode verschwand in den 1870er-Jahren, die Turmruine 1932; 1938 wurde der „Japanische Schirm“ entfernt. Geblieben sind jedoch viel von der Wegestruktur und vor allem die Logik des Ortes: Sichtachsen, Aussichtspunkte und das Spiel mit dem Elbhang.
Der Katharinenhof: Klassizistisches Herzstück
Erhalten blieb das repräsentative Landhaus, zwischen 1829 und 1836 errichtet, später „Katharinenhof“ genannt. Die klassizistische Hauptfront trägt ein Sandsteinrelief zum „Raub der Persephone“ – ein mythologischer Verweis auf Natur, Jahreszeiten und Wiederkehr. Daneben überstand auch das 1839 errichtete Stallgebäude die Zeiten; von den 1830er-Jahren stammt das elegante eiserne Geländer am Elbuferweg, das noch heute die steinerne Promenade fasst.
Unter Georg Friedrich Baur II wurde die Anlage Mitte des 19. Jahrhunderts weiter kultiviert: Palmenhaus, Orangerie, ein Blumengarten mit Fontäne und kunstvolle Teppichbeete in Füllhorn-Form spiegelten den bürgerlichen Repräsentationswillen – und die Pflanzenlust der Epoche.
Parzellierung, Denkmalschutz – und öffentliche Zugänglichkeit
Nach dem Ersten Weltkrieg begann die Zäsur: Ab 1922 wurde das Gelände parzelliert; ein Vertrag mit Blankenese sicherte immerhin Wegeführungen und Aussichtspunkte. 1939 gelang der Stadt Hamburg der Erwerb des Landhauses mit Nebengebäuden und Restpark. Seitdem sind die öffentlichen Parkflächen frei zugänglich – ein Nebeneinander von Grün und privaten Grundstücken prägt bis heute das Bild.
1940 wurden Katharinenhof und Stallgebäude unter Denkmalschutz gestellt.
Nach zuletzt einigen Jahren, in denen diese Gebäude nicht öffentlich zugänglich waren, soll nun der Mäzen Jan Fischer sie erworben haben. Das Ziel ist, 2028 ein „Kunsthaus Baurs Park“ zu eröffnen, Ausstellungs- und Präsentationsflächen zu bieten, Künstlerateliers zu eröffnen und verschiedene Veranstaltungen durchzuführen.
Von 1983 bis 2020 war im Baurs Park noch ein anderes Gebäude in Betrieb: Der vierzig Meter hohe Leuchtturm, genauer gesagt ein Oberfeuer, wies Schiffen den Weg. Durch die Verlegung der Richtfeuerlinie musste der Leuchtturm abgebaut und ein neuer am Mühlenberg gebaut werden.
Heute: Spazieren, staunen, Geschichte fühlen
Heute ist der Park bei Spaziergängern und Hunden, Familien und Schlittenfahrern gleich beliebt, auch ohne Leuchtturm und Pagode. Wer den Park besucht, sollte sich Zeit für drei historische Aussichtspunkte nehmen: den Kanonenberg, den Platz des ehemaligen „Japanischen Schirms“ und den Fahnenplatz. Auch ohne die einstigen Staffagebauten erzählt die Topografie vom großen Gartenkino des 19. Jahrhunderts: Wege, die an der Hangkante entlangführen, überraschende Blicköffnungen zur Elbe, Schatten- und Lichtspiele unter alten Kastanien.
Wer heute unter den Bäumen spaziert, hört vielleicht kein Glöckchen an einer Pagode mehr klingen. Aber die Idee des Flanierens, Staunens und Innehaltens – die gehört zu Baurs Park wie der Blick auf die Elbe.


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