Blankenese im Gespräch

Bowls, Bowls, Bowls…

Vom Abiturient zum Jungunternehmer – Julius Jarchow hat diesen Sprung gemeinsam mit Vincent Bleckwedel gewagt. Mit „JayJay’s“ eröffnet der 20-jährige den Blankenesern und Blankeneserinnen und mittlerweile auch den Othmarschern in der Waitzstraße die Welt der Bowls. Mit der Harissa Humus Bowl und dem Thai Limetten Salat bietet die Speisekarte eine kulinarische Reise von Nah- bis Fernost. Wem das alles nicht zusagt, der stellt sich seine Bowl vor Ort selbst zusammen. Für blankenese.de traf sich Vera Klischan mit ihm zum Gespräch

Jede Menge Bowls gibt es direkt am Blankeneser Marktplatz ©blankenese.de

Mit 20 schon Jungunternehmer – mutig, leichtsinnig oder gut überlegt?

Mutig! Aber auch gut überlegt! Ein Jahr lang habe ich eine Analyse gemacht, den Businessplan erstellt, die Finanzierung sichergestellt. Das Projekt ist nicht „aus der Hüfte geschossen“. Ich war von Anfang an davon überzeigt, dass es funktioniert. Ich hatte ein klares Ziel vor Augen, das uns geholfen hat, auch mal schlechte Tage zu überstehen. Harte Arbeit und ein gesundes Selbstbewusstsein stecke ich in meine Arbeit hier.

Der Chef Julius Jarchow ©blankenese.de

Wie kamst Du auf Bowls?

Es wäre tatsächlich auch ein Bio Döner möglich gewesen. Nach meinem Abi 2020 hatte ich einen Job bei Frischepost, ein Onlineportal, um Lebensmittel zu bestellen. Durch den Fußball habe ich schon länger Kontakt zu gutem, gesunden Essen. Durch Frischepost kamen die guten Zutaten dazu. Außerdem bin ich täglich etwa 100 Kilometer durch die Stadt gefahren. Unterwegs habe ich gesehen, was es wo alles gibt und wo sich Schlangen bilden. Der Standort in Blankenese stand für mich fest. 

Ich habe auch über Frozen Yoghurt nachgedacht, aber das ist ein Saisongeschäft. Dann kam ich auf Bowls als modernes, innovatives Angebot, das auch junge Leute anspricht. Das fehlte hier im Stadtteil. Auch die ältere Generation springt mittlerweile auf unser Angebot an.  Als die Zusage für dieses Ladenlokal kam, hatte ich keinen Koch und kein fertiges Konzept. Mit Marc Müller, einem Sternekoch, habe ich mich hineingekniet und hart gearbeitet. Ich wusste, ich habe laufende Kosten und muss eröffnen. 

Was bringst Du an „Know-how“ mit?

Auf jeden Fall die Erfahrung bei Frischepost. Ich selbst koche nicht gut. Jede Position hier ist mit der entsprechenden Qualifikation besetzt. Ich muss nicht alles können. Ich arbeite hart und kümmere mich darum, dass alles läuft. Jeder hier macht das, was er am besten kann. Seine Nische zu finden bedeutet ein Profit für alle zu sein. Ich suche immer nach Leuten, die besser sind als ich. 

Wer macht die Rezepte?

Marc Müller, unser Sternekoch. Er hat sich die Sterne in Stuttgart und Kopenhagen erkocht. Wir wollen noch saisonaler werden mit Salaten und langfristig Alternativen zu Avocados und Ananas finden. 

Gibt es einen „Renner“ unter den Bowls?

Oh ja – die Spicy Chicken Bowl! 

Ist die Liebe zu Bowls nachhaltig oder eine Modeerscheinung?

Gesundes nachhaltiges Essen bleibt. Es ist möglich, dass sich die Zutaten ändern. Der Koch geht mit der Zeit mit. Die Kernfrage ist doch: Ist es lecker? Schmeckt es? Vergleichen wir es mit Sushi. Am Anfang waren viele irritiert vom eingerollten rohen Fisch. Jetzt ist Sushi nicht mehr wegzudenken.

Woher bezieht Ihr die Waren? Regional? Bio? Gibt es Vorgaben?

Total gemischt. Bio soweit es der Preis erlaubt. Wenn wir nur Bioprodukte nähmen, wären die Bowls doppelt so teuer wie jetzt. Es ist aber viel Bio fester Bestandteil der Rezepte.  Auch für die Regionalität gilt das Preisniveau. Soweit es der Preis erlaubt, kaufen wir regional. Besonders beim Fisch achten wir auf Qualität. Durch die Bowls steigt das Gesundheitsbewusstsein bei vielen. 

Alle klagen über Personalmangel? Du auch?

Nein! Wir arbeiten überwiegend mit Schülern und Schülerinnen und Studenten und Studentinnen. Die Vormittagsschicht ist manchmal schwierig, da dann alle beschäftigt sind. Wir sind gerade dabei einen festen Personalstab zu entwickeln. Viele machen zur Zeit ihr Abitur und haben danach ein halbes Jahr Leerlauf. Dadurch haben wir mehr Personal für den ganzen Tag zur Verfügung. Es ist schön für mich zu sehen, wie gut die Schüler und Schülerinnen hier Verantwortung übernehmen.

Hast Du Plan B?

Nein! Einfach leben! Jeder Tag bringt Aufgaben und ich stelle mich ihnen mit Freude. Ich habe keine Angst vor dem, was kommt. Mal schauen, vielleicht studiere ich in fünf Jahren. 

Zum Schluss: Läuft der Laden?

Er brummt!! Wir wissen jetzt, dass es funktioniert. Ich kann einkaufen, Pläne entwickeln. Aber wir alle agieren so als sei es der erste Tag. Jeder soll sich über den Service freuen. Wir möchten hier nur strahlende Leute sehen. 

Lieber Julius, ich danke Dir für Deine Zeit. Dein Mut und Dein Engagement sind beeindruckend. Ihr verdient es, dass Eure Bowls weiterhin allen so gut schmecken

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