Blankenese miteinander

Die Familienbildung – Neustart mitten in Blankenese

Die Familienbildung im Mühlenberger Weg

Liebe, Toleranz, Vertrauen und Gemeinschaft – dafür steht die Familienbildungsstätte in Blankenese. Die Leiterin Meike Trommler gibt einen Einblick in die vielfältige Arbeit der Einrichtung und wie sehr sie damit zum Lebensort im Stadtteil wird. 

Blankenese.de: Liebe Frau Trommler, beginnen wir mit dem Dauerthema Corona. Was hat Corona mit der Familienbildung gemacht?

Meike Trommler: Der Lockdown hat auch bei uns erst einmal alles zum Stillstand gebracht. Aber so schlimm diese Zeit auch begann haben wir versucht, das Beste daraus zu machen. So konnten wir diese insbesondere für unseren Umzug vom Sülldorfer Kirchenweg hierher zum Mühlenberger Weg 60 gut nutzen. Die Räume konnten eingerichtet, die Lager bestückt, die Technik installiert werden. Jetzt ist nur noch das Außengelände in Arbeit. Mit dem nötigen Respekt vor dem Virus haben wir versucht, unsere Arbeit – unter neuen Voraussetzungen – weiterzuführen.

Wir konnten relativ zügig Online-Angebote einrichten, die gern angenommen wurden: Yoga für Schwangere, DELFI®, PEKiP®, Babymassage, auch Musik-Mitmachangebote in Form von Videos – insgesamt 12 Kurse haben wir so bereits ab Mitte April durchführen können. Ein Austausch mit den Teilnehmenden, die sich ja z.T. aus den Kursen bereits kannten, und untereinander war wieder möglich. Die Reaktionen darauf waren durchweg positiv.
Dann haben wir schnell auch das trockene Wetter genutzt und unter den entsprechenden Corona-Vorgaben Kurse in den umliegenden Parks veranstaltet: Zum Beispiel Yoga und Rückenfit im Goßlers Park, Gymnastik im Baurs Park, Buggybuildung und Stickwalking im Hirschpark so wie offene Eltern-Baby-Gruppen im Hessepark.
Mit unserem Schutzkonzept konnten wir nach den Sommerferien mit unserem Kursangebot in unseren neuen Räumen starten. Online-Angebote laufen auf kleiner Flamme weiter.


Blankenese.de: Vor Jahren gab es das Ziel für die FBS, dezentral zu arbeiten, in den Gemeinden. Die Vorstellung war, dass so die Angebote gleich viel näher an die Menschen rücken. Dann kam der Kirchenweg und jetzt der Mühlenberger Weg. Hat sich das Konzept „Dezentral“ nicht bewährt?

Meike Trommler: Die Gemeindehäuser hatten wenig Raum für zusätzliche regelmäßige Angebote, die technischen Bedingungen konnten nicht erfüllt werden, zum Beispiel konnten die oft alten Räume für die Kinder nicht angemessen beheizt werden usw. Und wenn dann Eltern mit speziellen Fragen kamen, sich zu Kursen anmelden wollten, dann mussten sie von den Kursleitungen zur weitergeleitet werden. Erhalten geblieben sind aus dieser Zeit Angebote in drei Kirchengemeinden in Rissen, Alt-Osdorf und Sülldorf, die sich an die direkte Nachbarschaft wenden.

Und auch die Räume im Sülldorfer Kirchenweg haben uns keine Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Jetzt haben wir zum Glück alles unter einem neuen Dach: Die Verwaltung und Eltern-Kind-Beratung, freundliche Kursräume, einen großen hellen Sportraum und eine Kursküche.

Wir sind mit 70 Kursen gestartet, Angebote können gebucht werden und wir merken, dass man uns hier in Kirchen- und Marktnähe am Mühlenberger Weg wahrnimmt, mehr als es im Sülldorfer Kirchenweg möglich war. Wir sind sehr froh über diese neue Heimat für die Familienbildung in Blankenese. Und ja, es hat sich bewährt, einen festen Ort zu haben.

Eingang Mühlenberger Weg 60

Blankenese.de: Konzentriert sich Ihre Arbeit – wenn nicht dezentral – nur noch vor allem auf Blankenese?

Meike Trommler: Blankenese ist für uns natürlich ein wichtiger Ort, aber unsere Teilnehmenden kommen aus allen Elbvororten und wir ziehen da auch keine Grenze! In den letzten Jahren haben wir zwischen 5000 und 6000 Besucher gezählt, die wir mit 350 bis 400 Angebote im Jahr einladen konnten.

Blankenese.de: Und das alles gemanagt, verwaltet…??

Meike Trommler: Ja. Und man darf ruhig wissen, dass wir für dieses Programm mit nur vier Festangestellten betraut sind – und jede von uns arbeitet in Teilzeit. Die Arbeit reicht von der Verwaltung der Kurse, der Beratung von Interessierten und dem Suchen nach neuen Kursleitungen bis hin zur Programmplanung, Öffentlichkeitsarbeit, dem Qualitätsmanagement und dem Aufspüren von neuen Finanzierungsquellen – immer mit dem Ohr an den Bedarfen der Familien und den neuen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Da den Anfang und das Ende zu beschreiben ist nicht so ganz einfach und der Alltag ist oft bunt und wird nicht langweilig. Zusammen mit unseren 60 – 70 Kursleitungen empfinden wir 4 uns als ein breit aufgestelltes, sehr engagiertes Team. Da sich unsere Arbeit mit unterschiedlichen neuen Aufgabenbereichen ständig erweitert, unsere Angebote wachsen und auch unsere Teilnehmendenzahlen seit Jahren steigen, würde ich mich natürlich sehr über eine zusätzliche Finanzierung freuen.

Blankenese.de: Da kann man nur mithoffen, dass diese Stellen erweitert werden können. Wie finanziert sich denn die Familienbildung?

Meike Trommler: Etwa mit 40 % tragen die Kursgebühren die Kosten unserer Arbeit, ca. 40% bekommen wir vom Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein, d.h. also aus Kirchensteuermitteln und ca. 18 % übernimmt die Hamburger BASFI.
Da wir wirklich allen Anfragen gerecht werden wollen – auch denen gegenüber, die die Kosten finanziell nicht tragen können, freuen wir uns, dass auch ein gewisser Teil der Kosten über Spenden oder aus Fundraisingmitteln getragen wird.

Urlaubsgefühle im 1. Stock

Blankenese.de: Wenn Sie das Besondere und das Schöne Ihrer Arbeit beschreiben, dann würden Sie sagen…

Meike Trommler: Das ist unsere Vielfalt!
Unsere Angebote und Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind offen für alle Familienmitglieder gleich welcher Konfession, Herkunft und Nationalität. Wir bieten unterschiedliche, auch niedrigschwellige, Angebote und Beratungsmöglichkeiten nicht nur für junge Eltern. Bei uns stehen neben der Information und pädagogischen Begleitung vor allem der Austausch und die Begegnung im Vordergrund:

Dazu gehören auch die Tür- und Angel-Gespräche mit den Kursleitungen, das Füttern der Kinder nach dem Kurs in unserem „Cafe´“, Freundschaften der Teilnehmenden, die sich in den Kursen entwickeln, ein Schnack auf dem Flur – eine offene, vertrauensvolle und lebendige Atmosphäre!

Ein besonderes Anliegen ist mir unser offenes „Spielcafé All in“:  Ein Ort, zu dem Eltern mit ihren Kindern, also auch Frühchen, entwicklungsverzögerten Kindern und solchen mit Förderbedarf teilnehmen, sich lassen und austauschen. Unser Team steht hier mit seinen pädagogischen Erfahrungen und Qualifikationen, aber auch mit guten Materialien z.B. sensomotorischen Geräten und Spielanregungen begleitend zur Verfügung.

Wir wollen ein Ort sein, an dem man auftanken kann, wo gespielt – hoffentlich bald auch wieder gesungen werden kann. Ein Lebensort im Hamburger Westen.

Blankenese.de: Eine Frage zur Person: Sie sind seit 7 Jahren dabei. Was muss man mitbringen, um eine Managerin in diesem Hause zu sein? Managerin müssen Sie doch sein?

Meike Trommler: Ja, es hat etwas von einem Managementposten. Denken Sie an die Fülle der Programmpunkte und die noch offenen Träume für unser Haus…
Ich konnte mich aber in meiner beruflichen Entwicklung gut darauf vorbereiten. Ich bin Dipl. Pädagogin, habe Erziehungswissenschaften in Hamburg studiert mit dem Schwerpunkt der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit. Schon im Studium habe ich mich in der evangelischen Jugend- und Familienbildungsarbeit engagiert. in einem Auslandssemester in Kairo/Ägypten war ich u.a. für die GTZ tätig (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit). Islamwissenschaften habe ich damals im Nebenfach studiert. Einen 1,5jährigen Auslandsaufenthalt bei einer Freiwilligen-Organisation hatte ich bereits nach meinem Schulabschluss absolviert – ich durfte ich bei Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Israel mitarbeiten. Überall hatte ich es mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Und das soll gerne auch so bleiben!

In den letzten 10 Jahre vor der FBS arbeitete ich im Bereich Outplacement eines Integrationsfachdienstes des Berufsförderungswerks. Dort habe ich (junge) Menschen mit Körper- und Sinnesbehinderung zur Arbeitsaufnahme beraten, Stellen recherchiert, Gruppenprozesse begleitet und Arbeitgeberakquise betrieben. Dann habe ich durch den Wink des Himmels die Evangelische Familienbildung Blankenese kennengelernt und die hat – wie ich fand – mit einer freien Stelle auf mich gewartet hat…

Blankenese.de: Ihre offene Arbeit geschieht als Initiative der Evangelischen Kirche, eben evangelische Familienbildung. Nun sind Sie hier gleich neben die Kirche gezogen. Wie geht es so mit der Nachbarschaft?

Meike Trommler: Wir sind sehr dabei, diese Nachbarschaft mit der Kirchengemeinde auch neu lebendig zu gestalten. Mit der Nähe zum Kindergarten ergeben sich Synergien. Mit dem Zukunftsforum, das sich ja aus einer Kirchenaktivität entwickelt hat, können wir hier der SoLawi einen Raum zur Verfügung stellen. Die Gemeinde denkt mit uns über eine neue Zusammenarbeit nach, in der Öffentlichkeitsarbeit wollen wir zusammenarbeiten. So durften wir den Kirchgarten hinter unserem Haus für eine Märchenstunde unter freiem Himmel nutzen und werden uns sicher auch neu in dem Kirchenschiff beheimaten können. Der evangelische Geist in unserer Nachbarschaft ist auch unser Geist. Da gleichen sich die Leitbilder (Leitbild der Familienbildung).

In dem engagierten Eintreten für die Würde des Menschen werden wir auch – gemeinsam – weitere Partner im Ort entdecken. Darum freuen wir uns auch auf die Zusammenarbeit mit dem Verein „Blankenese Miteinander e.V.“.

Blankenese.de: Jetzt scheinen ja alle Ihre Wünsche in Erfüllung gegangen zu sein…- Auch vieles, was so im Sülldorfer Kirchenweg nicht möglich war. Bleiben denn noch Wünsche offen?

Meike Trommler: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich in der Zusammenarbeit mit anderen immer Möglichkeiten eröffnen, das Miteinander neu zu gestalten.

Uns war es z.B. möglich, eine große neue Kursküche in den Mühlenberger Weg einzubauen. So steht auf der Planung die „Küche als Bildungsort für Kinder und Erwachsene.“

Die neue Küche der Familienbildung

Noch nur ein Traum ist die Einrichtung einer Holzwerkstatt. Werkbänke im Haus. Gemeinsam schöpferisch tätig zu sein – mit Herzen, Mund und Händen. Das wäre wunderbar!

Blankenese.de: Liebe Frau Trommler, danke für dieses Interview. Eine segensvolle Arbeit wünschen wir Ihnen und immer wieder eine Traumerfüllung!


Evangelische Familienbildung Blankenese 
Mühlenberger Weg 60 / 22587 Hamburg
Telefon 040 970 794 610 
Kontakt per E-Mail
Bürozeiten: Mo - Fr: 9:00 – 12:00 Uhr

Bankverbindung: Kirchenkreis Hamburg-West / Südholstein
Evangelische Familienbildung Blankenese 
Evangelische Bank eG (EB) Kiel
IBAN DE 5206 0410 3206 4900 18
Verwendungszweck: 52304 / Spende

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