Blankenese im Gespräch

Elbkinderkita Eichengrund

Kinder, Eltern, Erzieher und Erzieherinnen am Limit! Nicht, weil sie nicht mehr wollen, weil sie nicht mehr können! Die Kinder, die unbeschwert ihr Kitaleben genießen sollen und dabei jede Menge für ihr Leben lernen, dürfen zur Zeit entweder gar nicht oder nur unter bestimmten Auflagen die Kita besuchen. Der neue Wortschatz der Kleinen erweitert sich um Abstand, Maske, Schnelltest! 

Und trotzdem – die Kita Eichengrund gibt alles, um so viel Normalität und Fröhlichkeit wie möglich aufrecht zu erhalten. Die wichtigste Botschaft an die Eltern: Die Kinder sind willkommen! Wir unterstützen uns gegenseitig! Vera Klischan hat sich mit Herrn Wulf, dem Leiter der Kita unterhalten.

©Vera Klischan

Lieber Herr Wulf, wieviel Kinder besuchen die Elbkinder Kita im Eichengrund?

Normalerweise sind es 170 Kinder, zurzeit besuchen ca. 115 Kinder unsere Einrichtung. Die Tendenz ist steigend. 

Welche Aufgabe soll eine Kita erfüllen?

Am wichtigsten ist es, die Kinder auf den jeweils nächsten Entwicklungsschritt vorzubereiten.  Sie wollen sich die Welt aneignen und Wissen und Fertigkeiten weiterentwickeln Für dieses Ziel stellen wir ein vielfältiges tägliches Programm zusammen – es gibt Waldtage mit unserem Biologen, musikalische Früherziehung, Kunstprojektwochen und Kitareisen,

Für alle Bildungsprozesse ist es außerordentlich wichtig, für sich selbst Sorge zu tragen – selbständig und selbstbewusst zu agieren und im Umgang mit anderen soziale Kompetenzen zu erwerben. 

Die eigenen Fähigkeiten weiter entwickeln, für sich selbst und für die Gemeinschaft zu sorgen – das sind zentrale Aufgaben der Kitaerziehung.

Für sich selbst zu sorgen, bedeutet auch Regeln einzuhalten, gesund zu leben und gesund zu essen und sich viel zu bewegen. Unsere Kinder leben viel an der frischen Luft im Sommer wie im Winter.

Kita im Eichengrund ©Vera Klischan

Wie ist die momentane Situation?

Die Eltern dürfen zurzeit nicht hereinkommen, die Kinder werden an der Tür abgegeben und wieder abgeholt. Es hat auch nicht wie früher einen Kennenlerntag für neue Eltern gegeben. Zurzeit gibt es offiziell eine sogenannte erweiterte Notbetreuung in allen Kitas. Für das Recht auf den Kitabesuch gibt es einen Kriterienkatalog. Dazu gehören Systemrelevanz, Arbeit außerhalb des Homeoffice – aber auch pädagogische Gründe. 

Im gegenseitigem Vertrauen und mit Verständnis für die Situation der Eltern gelingt es hier vor Ort, die Betreuung der Kinder mit mindestens 30 Std./ Wo. zu organisieren.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass aber mittlerweile besonders viele unserer Eltern im Homeoffice am Ende ihrer Kräfte sind und einfach nicht mehr können – einige haben noch ein Schulkind im Homeschooling! Oder ein Kleinkind zu betreuen!  Es gibt Eltern, die machen ihren Job mittlerweile nachts, weil dann Ruhe herrscht.

Die Betreuung zu Hause ist dann nach der langen Zeit kaum noch tragbar. 

Unsere Eltern versuchen durchweg ihr Möglichstes dazu beizutragen und mitzuhelfen, damit sich die Pandemie nicht ausbreitet. Wenn Eltern sich dann bei mir melden und einen Betreuungsbedarf anmelden, übernehme ich keine Polizistenrolle. Im gegenseitigen Vertrauen und mit Verständnis der Situation der Eltern gelingt es hier vor Ort, die Betreuung der Kinder mit mindestens 30 Std./ Wo. zu organisieren.

Ein Kunstwerk der Kitakinder ©Kita Eichengrund

Welche Sicherheitsvorkehrungen treffen Sie, bzw. müssen Sie treffen?

Neben den üblichen Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Hygienevorschriften und ständigem Lüften sind die Kinder bei uns in 4 Kohorten eingeteilt, die sich nicht mischen. Das klappt sehr gut! Auch, dass die Eltern draußen bleiben! 

Wir hatten bis jetzt keinen einzigen Coronafall! Es hat sich sehr bewährt, gut mit den Eltern in Kontakt zu sein. Das Ziel der Eltern ist es, dass wir möglichst weiterhin von Schließungen verschont bleiben. Dafür haben die Eltern untereinander dafür geworben, viele Selbsttests mit den Kindern zu machen. Eine Umfrage bei uns hat ergeben, dass hier schon 80% der Kinder getestet werden.

Mittlerweile sind über 90% der Mitarbeiter erstgeimpft! 

Wie fühlen sich die Erzieher und Erzieherinnen?

Sie haben endlich Priorität beim Impfen!!! Das ist notwendig und richtig so!! Der Zustand davor war eine Zumutung! Man kann mit den kleinen Kindern keinen Abstand halten. Mittlerweile sind alle entspannter! Vorher hatten viele Angst. 

Außerdem gibt es drei Mal pro Woche einen Schnelltest für die Mitarbeiter*innen der Kita.

Alle Kolleginnen sind froh darüber, nicht wie in vielen Branchen in Kurzarbeit gehen zu müssen – auch wenn wir zeitweise nur wenige Kinder betreut haben. Da immer noch verhältnismäßig wenig Kinder vor Ort sind, sind die Gruppen oft kleiner, so dass die Erzieherinnen viel mehr Zeit mit den einzelnen Kindern haben. 

Mittlerweile gewöhnen wir uns auch an digitale Elterngespräche und Elternabende.

Wer leidet zurzeit am meisten?

Mit Sichtweise auf mein Arbeitsfeld ganz sicher die Kinder! Allerdings haben diejenigen, die da sind, eine engere Betreuung, weil weniger Kinder in der Kita sind. Ich glaube jedoch, dass es keinen Unterschied im Leidensdruck aller Beteiligter gibt.

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Grundsätzlich wünsche ich mir eine außerhalb von Virologen betrachtete und bewertete Gefährdungsbeurteilung für die Kinder und Familien. 

Und aus meinem Erleben heraus sage ich natürlich: Lasst die Kinder in die Kita kommen! Die Regeln sind zu streng. Testen ist wichtig! Die aktuellen Regeln sind eine Zumutung für Eltern!! Ich wünsche mir eine lockere Handhabung. 

Die Kinder fallen in ihrer Entwicklung zurück. Die Situation ist stressig für Kinder mit Eltern, denen es nicht gut geht durch Überlastung. Die Eltern können nicht mehr. Kinder brauchen Fröhlichkeit! Dazu sehen sie nur Menschen mit Masken. Kinder lernen aber über Mimik. Auch die ständige Vorsichtshaltung mit Abstand ist schwierig für Kinder. Dass es mehr psychische Erkrankungen bei Kindern gibt, ist für mich vollkommen nachvollziehbar!!! 

Lieber Herr Wulf, Sie sind seit Monaten sehr gefordert. Ich danke Ihnen herzlich für Ihre  Zeit und wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie alle bald ohne Maske und den gebotenen Abstand den Kindern begegnen, dass Eltern wieder unbefangen eintreten dürfen und dass die große Solidarität und das Verständnis, dass Sie für die Eltern und die Kinder aufbringen, lange nachwirken.

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