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„to be kind“

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„to be kind“

Freitag, 21. Mai 2026

Ein Donnerstagabend – der 2-jährige findet es lustiger, nach der Badewanne im Handtuch um mich herumzurennen, als sich einen Schlafanzug anziehen zu lassen. Mein Nervenkostüm ist am Limit. Mein Mann übernimmt, und ich checke meine Mails zur Entspannung.

Die Anfrage, den „Freitagsgedanken“ zu verfassen, freut mich.
Zwanzig Minuten später, mein Nervenkostüm sitzt wieder, sinniere ich darüber, während ich an meinen Jüngsten gekuschelt die Einschlafbegleitung mache.

Gedanken gibt es viele: Warum unsere Regierung nicht endlich echte Reformen einleitet, meinen Geburtstag, meinen neuen Job, Lebenssituationen im Bekanntenkreis, und über einen aktuellen Podcast, in dem ein Historiker erklärt, warum der dritte Weltkrieg längst ausgebrochen ist. Jeder Gedanke könnte ein eigener Freitagsgedanke sein. Ich bleibe beim Podcast hängen.

Der Historiker wird am Ende gefragt, wen er am meisten vermissen würde, wenn er nicht mehr auf Erden weilen würde. Er antwortet, seine Frau, weil sie zu einem Zeitpunkt in sein Leben trat, als er am Tiefpunkt dessen war, ihm gezeigt hat was bedingungslose Liebe ist und „kind“ (engl.) zu ihm war.

„to be kind“ beschreibt eine wohlwollende Haltung, bei der man anderen gegenüber rücksichtsvoll, hilfreich oder gütig auftritt.

Die Gedanken springen zum Geburtstag. Ich freue mich auf dieses neue Jahrzehnt. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für meinen Mann der „kind“ mit mir ist und für meine gesunde Großfamilie und meine Leben bis hierher – mit allen Höhen und Tiefen.

Die Gedanken schweifen weiter zu meinem neuen Job. Nach 12 Jahren und vielen Umstrukturierungen, war ich jetzt eine von 1000 Kollegen: innen, die gehen musste. Zufrieden war ich schon länger nicht mehr, aber die Familienplanung ging vor. Vielleicht fehlte mir zuletzt auch der Mut. Die aktuellen Zeiten schreien gerade nicht danach (scheinbare) Sicherheit aufzugeben. War es ein Akt von „kindness“ des Lebens, mit einem finanziellen Polster neu zu starten? Rational sofort Ja. Emotional erstmal Trauer: über Leistung, die nichts zählte, Einsatz, der nichts wert war, und noch mehr.

Und doch sofort der Blick nach vorne: die Gelegenheit wieder beruflich Erfüllung zu finden, ohne Angst. Ein Monat später unterschrieb ich einen neuen Arbeitsvertrag, der alles zu sein scheint was ich mir wünsche.

Das Leben ist „kind“ zu mir.

Ein Wunsch war, in einem Umfeld zu arbeiten, wo der Wille gemeinsam zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen, als Team zusammenzuarbeiten größer ist, als durch Egos jeden Fortschritt zu untergraben und immer jemand anderem die Schuld zu geben, warum es nicht weiter geht. Letzteres erinnert leider sehr an unsere aktuelle und vergangene Politik der letzten Jahrzehnte.

Mein letzter Gedanke, bevor ich mich von meinem schlafenden Kind löse, widmet sich uns allen.

Man sollte nicht nur anderen gegenüber „kind“ sein, sondern besonders sich selbst.
Es ist ein Geschenk, bei sich zu sein und seinen inneren Ruhepol zu finden.

Ich habe dieses Glück – bis eines meiner Kinder mich wieder aus der Haut fahren lässt.

„Be kind“ – mit dir selbst und den Lieben und nicht so Lieben um dich herum.

Philippa Fischer-Zernin

1 Kommentar

  1. Sabine Michaelis

    Wer hat das Bild oben gemacht?

    Antworten

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