Blankenese im Gespräch

Mit Lockdown und Homeschooling: Abitur 2021

Eine bedeutende Zäsur – das Abitur

Wie gelingt Schule in Zeiten von AHA

Leif Peters macht dieses Jahr am Gymnasium Blankenese Abitur © privat

Zwölf Jahre lang war die Schule Schauplatz vieler Freuden und Enttäuschungen, neuer und zerbrechender Freundschaften, Lust auf neue Lerninhalte, motivierende Lehrerpersönlichkeiten, aber auch Frust und Langeweile – der Weg zum Erwachsenwerden wird nicht unerheblich in der Schule beschritten. Hier hat sich ein Großteil des bisherigen Lebens abgespielt und hier werden wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen.

Und nun – Corona! Alles ist anders! Eine Art Vollbremsung! Wie gelingt die Vorbereitung auf die wichtigste schulische Prüfung?? Gibt es eine Abifeier, einen Abistreich, vielleicht sogar gemeinsame Reisetage? 

Wie kann ich mich verabschieden? 

Vera Klischan hat sich mit Leif Peters, 18, unterhalten, der kurz vor dem Abitur der aktuellen Situation sogar etwas abgewinnen kann und sich von Corona in seiner Zukunftsplanung nicht beeinträchtigen lässt.

Lieber Leif, Du stehst vor Deinem Abitur – eine große Zäsur im Leben! Inwieweit beeinträchtigt Corona mit den schulischen Einschränkungen Deine Vorbereitung? Fühlst Du Dich gut versorgt von schulischer Seite?

Das Problem ist, dass es mir schwer fällt zu sagen, ob ich in meiner Vorbereitung auf das Abitur schwer eingeschränkt bin, da ich mich, das S1 mal ausgenommen, noch nie unter anderen Bedingungen auf eine solche Prüfung vorbereiten musste. Von Seiten der Lehrer kam bisher noch kaum ein Wort, welches mich daran zweifeln lassen würde, dass die Schule uns bestmöglich auf das Abitur vorbereitet. Von Seiten der Schule bin ich im Moment dementsprechend zuversichtlich, dass ich das nötige Wissen mit in die Prüfung nehme um diese meinen Erwartungen entsprechend zu bestehen. Ich glaube weiterhin nicht, dass sich mein persönliches Arbeitspensum durch den Fernunterricht großartig verändert hat.

Wie war für Dich das Homeschooling, die eigene Organisation Deiner schulischen Arbeit?

Zu Beginn war es eine ziemliche Herausforderung. Wir kamen damals aus den Märzferien und hatten erst kurz zuvor erfahren, dass die Schule, nach eben diesen, nicht so weiter gehen kann, wie man es gewohnt war. Man wurde mit einer doch respektablen Menge an Arbeitsaufträgen überrollt, was natürlich auch dadurch zu Stande kam, dass keine Lehrkraft zuvor schon einmal in einer solchen, oder auch nur einer vergleichbaren, Situation gewesen war. Mit der Dauer des Fernunterrichts wurde die eigene Organisation, aber auch die Kommunikation mit der entsprechenden Lehrkraft merklich besser und der Stress damit geringer. 

Seit Beginn des Jahres erleben wir nun zum zweiten Mal einen solchen Lockdown und auch wenn ich weiß, dass die Meinungen darüber auseinandergehen, so finde ich doch, dass es deutlich besser organisiert ist. Es gibt regelmäßige Videokonferenzen, in der Menge angebrachtere Arbeitsaufträge und auch die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich verbessert. 

Sofern man es will, kann man dem gesamten Fernunterricht auch etwas Positives abgewinnen. Die Eigenorganisation ist etwas, was man im späteren Leben vermehrt benötigen wird. Sollte es während der Zeit des Lockdowns gelungen sein den Lernstoff zu vermitteln und die Abschlussnoten auf demselben Level zu halten, so ist es möglich zu sagen, dass wir, als einer von wenigen Jahrgängen, die Möglichkeit hatten, die Fähigkeit der Eigenorganisation bereits während der Schulzeit zu lernen.

Hast Du das Gefühl, dass für Dich oder für andere aus Deinem schulischen Umfeld durch Corona lernmäßig etwas auf der Strecke bleibt? Oder dass gar Dein Notendurchschnitt davon beeinflusst wird?

Die Benotung durch die Lehrer wurde, zumindest während des ersten Lockdowns, an die äußeren Umstände angepasst. Dementsprechend wurde entsprechend wohlwollend benotet und es gab in meinen Augen keinerlei Anlass für ein Wort des Protests. Zudem wurden während dieser Zeit keine oder zumindest kaum Klausuren geschrieben. 

Im Hinblick auf die Klausuren ändert sich nun der Umgang mit den Einschränkungen, da es aktuell so aussieht, als würden sämtliche Klausuren regulär geschrieben werden. In der Bewertung der Klausuren wird sich eine Berücksichtigung der aktuellen Lernsituation kaum vermeiden lassen, weshalb ich mir keine Sorgen um einen großen Fall des Notenschnittes mache.

Ob der aktuelle Jahrgang die Schule lernmäßig mit einem Defizit verlässt, wird sich erst im Nachhinein beurteilen lassen. Es wird von Seiten der Lehrer allerdings immer wieder betont, dass man thematisch keinen Rückstand gegenüber früheren Jahrgängen hat. Ein Defizit, sollte es eines geben, wäre also vermutlich eher in der Tiefe, mit welcher die jeweiligen Themen behandelt worden sind, erkenn- und bemerkbar.

Wie sehr beeinflusst Corona die Planung für die Zeit nach dem Abitur? Ausbildung? Weltreise? Praktikum? Was hast Du vor?

Ich glaube nicht, dass Corona die berufliche Zukunftsplanung von mir stark beeinträchtigen wird. Umso stärker wird Corona stattdessen Auslandsaufenthalte oder das Reisen mit Freunden beeinträchtigen. Bis zu meinem Abschluss im Juni 2021 vergeht natürlich noch einige Zeit und dementsprechend gibt es nach wie vor die, hoffentlich berechtigte, Hoffnung darauf, dass sich die Reisebedingungen wieder einigermaßen normalisieren oder es zumindest wieder möglich wäre, in Gruppen von mehr als 2 Personen, die aus mehr als einem Haushalt stammen, zu reisen. Eine Weltreise wird wohl kaum möglich sein, aber vielleicht machen die Einschränkungen ja zumindest eine Reise in Nachbarländer von Deutschland oder in Deutschland selbst wieder möglich. 

Wenn die Schule nach 12 Jahren endet und alle auseinandergehen, will man das feiern. Geht das überhaupt und wenn ja, wie?

Genau wie bei der Frage nach der Zeit nach dem Abi ist es sehr schwierig zu beurteilen ob, und wenn ja in welchem Ausmaß, eine Feier stattfinden kann. Ich gehe stark davon aus, dass sich Möglichkeiten ergeben werden, um das Abitur entsprechend zu feiern, auch wenn Corona im Juni höchstwahrscheinlich noch immer für einige Einschränkungen sorgen wird. 

Lieber Leif, ich danke Dir herzlich, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen so reflektiert und sachlich zu beantworten. Für Dein Abitur wünsche ich Dir und Deiner gesamten Stufe den Erfolg, den Ihr für so viel Eigenverantwortung und Verzicht verdient und – ein bisschen feiern!  

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