Ein ganz besonderes Haus

Mitten in Blankenese, neben der evangelischen Kirche, ist ein Haus in Planung für Menschen mit besonderem Förder- und Pflegebedarf. Die Gruppe „du! mittendrin“ gab den Anstoß dazu. Für ein Leben mitten im Ort, im öffentlichen Leben und sichtbar für alle. Eine große Chance für den Stadtteil, Andersartigkeit als bereichernd zu erleben.
Vera Klischan hat sich mit Caja Mons unterhalten, die mit ihrem Mann aktiv an der Gestaltung beteiligt ist.

In Blankenese ist ein besonderes Haus in Planung. Kannst Du uns etwas darüber erzählen. Für wen ist dieses Haus gedacht?

Das Haus ist als zu Hause für junge Erwachsene mit Behinderungen gedacht. Das Konzept sieht eine Wohngemeinschaft vor, in der acht junge Erwachsene zusammenleben. Es wird eine lückenlose Betreuung geben. Dazu soll es Einzelappartements für ein paar weitere BewohnerInnen geben, die einen geringeren Betreuungsbedarf haben. Glücklicherweise ist die Bauvoranfrage bereits positiv beschieden.

Wie ist diese Idee entstanden?

Die Idee hat ihren Ursprung in der Gruppe „du! mittendrin“, die es seit zwölf Jahren gibt. Die Gruppe, die aus Eltern von Kindern mit besonderem Förderbedarf und Interessierten besteht, einte das Ziel, ihren Kindern einen sichtbaren Platz zu geben u.a. durch Freizeitgestaltung und Praktika. Helmut Plank ist Mitbegründer dieser Gruppe und hat mit dem Vorstand der Lange Rode Stiftung die Idee des Hauses in die Gruppe getragen. Ein zentrales Anliegen ist das sichtbare Wohnen mitten im Ort und nicht am Ortsrand. Es geht um Teilhabe am normalen Leben. Der KGR (Kirchengemeinderat) hat das Bauprojekt bereits im November 2022 freigegeben. 

Wo wird es gebaut?

Es ist ein großes Glück, dass die evangelische Kirche ein Grundstück zur Verfügung stellt, welches direkt neben der Kirche liegt.

Wieviel Wohneinheiten wird es geben?

Wie schon erwähnt – eine Wohngemeinschaft mit acht Wohnplätzen, sowie ein paar weitere Einzelappartements. Das ist der aktuelle Planungsstand.

Wer ist der Träger des Hauses?

Die Lebenshilfe Hamburg wird das Haus betreiben und das Personal zur Betreuung der Bewohner*Innen stellen.

Was hat die Gruppe du! mittendrin mit dem Haus zu tun?

Die Gruppe ist die Initiatorin des Hauses und ist aktiv in die Entstehungs- und Planungsprozesse eingebunden. 

Wie bist Du/seid Ihr in diesem Projekt engagiert?

Wir sind als Familie persönlich involviert, da wir für unsere Tochter Catharina zukünftig einen Wohnplatz in der Nähe suchen. Wir wohnen in Blankenese. Verschiedene Arbeitsgruppen mit Vertreter*innen von Kirche, Lange Rode Stiftung, Du! Mittendrin und der Lebenshilfe kümmern sich um Themen wie Kommunikation, Wohnkonzept und Finanzierung. Ich habe mit zwei anderen Frauen das Wohnkonzept entwickelt. 

Sind die Plätze schon ausgebucht?

Es gibt schon jetzt eine lange Interessentenliste. Die Auswahl wird zu gegebener Zeit die Lebenshilfe treffen.

Warum ist das Haus so wichtig für Eure Gruppe und den Stadtteil?

Wir, die betroffenen Familien, wünschen uns natürlich eine familiennahe Unterbringung unserer Kinder für die Zukunft. Das wird mit dem Haus ermöglicht. Es soll in den Stadtteil hinein wirken durch Ehrenamtliche, die sich für die Menschen dort engagieren. Das Haus soll nicht abseits „des Lebens im Dorf“ stehen. Wir wünschen uns eine enge Verzahnung mit den Menschen im Stadtteil und den Kirchenmitgliedern. Die Menschen mit Behinderung sollen im Stadtbild sichtbar in ihrer Besonderheit sein und das Bild von Blankenese mitprägen. Es gibt bislang viel Unterstützung für das Wohnprojekt. 

Was bedeutet die Wohnsituation Eurer Tochter und Schwester Catharina mitten im Dorf für Eure Familie?

Mit dem Auszug aus dem Elternhaus möchten wir Catharina ein eigenständiges Erwachsenenleben ermöglichen. Aufgrund ihrer Behinderung wird Catharina allerdings stets auf Hilfe angewiesen sein und muss daher betreut wohnen. Dass ein solches Wohnhaus nun in Blankenese entsteht, ist für uns als Familie ein großes Geschenk. Da auch wir im Ort wohnen, wird uns der kurze Weg spontane Besuche und gemeinsame Aktivitäten unkompliziert ermöglichen. Auch nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass Catharina auf diese Weise in ihrem bekannten Umfeld bleiben und auch weiterhin zu den ihr bekannten Ärzten, Therapeuten etc. gehen kann. Wir freuen uns sehr auf das Wohnhaus mitten im Ort!

Liebe Caja, ich danke Dir herzlich für deine Zeit. Ich verstehe, dass dieses Haus ein großes Geschenk für Eure Familie ist, aber auch für uns, die hier leben und das Glück haben, die Bewohner und Bewohnerinnen in unser Dorfleben integrieren zu können. 

1 Kommentar

  1. Veröffentlicht von Elisabeth Dörner am 30.01.2024 um 20:32

    Toller Artikel! Vielen Dank 🤩

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