Familienbildung in Blankenese

Pralinen herstellen in der Familienbildung in Blankenese? Das geht und noch viel mehr. 

Bilden – Begegnen – Beraten – Begleiten – all das bietet die Familienbildung mitten in Blankenese. DELFI-Gruppen für die Kleinsten, Yoga für die jungen Mütter, Malkurse, Holzwerkstatt und sogar die Herstellung von Pralinen für die größeren Kinder. Über das vielfältige Angebot hat sich Vera Klischan mit Meike Trommler, der Leiterin der Einrichtung, unterhalten.

Liebe Frau Trommler, Familienbildung heißt die Institution, die Sie leiten. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Die Evangelische Familienbildung Blankenese unterstützt mit rund 400 Angeboten im Jahr Eltern in ihrem Erziehungsalltag und ihrer familiären Verantwortung. Wir wenden uns an alle (werdenden) jungen Familien in den Elbvororten und den angrenzenden Stadtteilen – ganz gleich, welcher Religionszugehörigkeit und Herkunft! 

Das Team der Familienbildung mit Meike Trommler 3. v.li. ©Ev. Familienbildung Blankenese

Wir bieten DELFI®-Jahresgruppen ab 3 Monaten an, Babymassage und Rückbildungsyoga, viel Musik- und Bewegungsspaß, aber auch Kreatives wie unsere Malkurse und die Holzwerkstatt für Kitakinder. In den Kursen gibt es Lied- und Rhythmikangebote, Bewegungs- und Bastelideen auch für zu Hause. Unfallverhütung und Übergänge in die Krippe/Kita sind bei uns ebenfalls Thema.

Jugendliche können bei uns den Babysitter-Führerschein machen, Pralinen herstellen oder Techniken wie den Linoldruck kennenlernen. Für Erwachsene bieten wir in unserem großen hellen Sportraum Yoga-, Rückenfit- und Gymnastikkurse an. 

Wir sind ein offenes Haus, um den schwierigen Weg der Bildung von Familie auf vielfältige Art und Weise mitzugehen: Wir schaffen viel Raum für Begegnung und Austausch. Viele Eltern, besonders die Mütter, haben einen hohen Anspruch an sich selbstAlles muss stimmen und 100prozentig sein. Aber es passieren Fehler, keine Erziehung ist perfekt. Hier ist Raum, sich mit anderen Eltern auszutauschen, Fehler zuzulassen und Unterstützung zu erfahren. Deswegen geht es bei uns viel um Entlastung! Wir freuen uns, wenn auch mehr Väter an unseren Angeboten teilnehmen.

Als evangelische Einrichtung richten wir uns am christlichen Menschenbild aus, zu dem Werte wie Vertrauen, Toleranz und Gemeinschaft gehören. In unseren kleinen Gruppen können wir auf die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Kindes eingehen. Wir entwickeln Angebote, die Lebensfreude und Sinn stiften, Orientierung und Halt geben und die Neugier wecken! So feiern wir auch die christlichen Feste, nehmen am Blankeneser Straßenfest teil und richten Flohmärkte aus. Für unser „Wunsch-Oma-Projekt“ suchen wir Ehrenamtliche, die Familien unterstützen.

Was genau beinhaltet Ihre Aufgabe?

Ich bin verantwortlich für das gesamte Kursprogramm, immer mit dem Ohr an den Bedarfen im Stadtteil. Dabei unterstützen mich einerseits die Antworten aus unseren Teilnehmenden-Umfragen wie auch der Austausch mit der Fachbereichsleitung und den Eltern-Kind-Kursleitungen. Aktuell mit dem besonderen Augenmerk auf geflüchtete Familien. Wir bieten immer mal auch Praktikumsplätze für Schüler*innen oder Student*innen an.

Außerdem obliegt mir die Personalverantwortung. Zu unserem Team gehören fünf festangestellte Mitarbeiterinnen und ungefähr 50 freiberufliche Kursleitungen. Auch eine junge, behinderte Erwachsene unterstützt uns 1x in der Woche.

Mir obliegt die Finanzverantwortung, die Wirtschaftsplanung bis zum Jahresabschluss geschieht in Abstimmung mit der Geschäftsführung. 

Ein weiterer wichtiger Bereich sind die Drittmittelanträge für Projekte. Dafür entwickle ich Ideen, schreibe Konzepte inkl. Finanzplanung und sorge mit meinen Kolleginnen für deren Umsetzung. Nach Projektende schreibe ich Berichte und Verwendungsnachweise. So konnten wir z.B. mit der finanziellen Unterstützung des #moin zukunft Hamburg-Fonds unsere Holzwerkstatt ausstatten und anschieben und die Hamburger Spielräume finanzierten unseren ersten Kreativkurs für ukrainische geflüchtete Kinder.

Ebenso bin ich für die Weiterentwicklung unseres Qualitätsmanagements verantwortlich. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen setzen wir strategische Ziele fest, operationalisieren sie und setzen sie Stück für Stück um. Hierbei geht es um transparente Prozesse ebenso wie funktionierende Arbeitsstrukturen. Auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz für meine Mitarbeiterinnen sowie das Thema Brandschutz/Technik obliegt mir. Weitere Aufgaben sind die Darstellung nach außen und das Netzwerken. Seit letztem Jahr haben wir eine Kooperation mit der Musikschule Klose, das läuft ganz prima!

Sie bieten ein breites Spektrum an Beratung. Welche Bereiche werden besonders oft angefragt?

Am meisten werden Themen des ersten und zweiten Lebensjahrs nachgefragt: Kinder, die keine Ruhe finden und schlecht schlafen, hypersensible Kinder, die richtige Ernährung nach dem Stillen, der Umgang mit Geschwisterkindern.

Wir bieten gern individuelle Beratung mit Termin an oder verweisen auf Expert*innen in unserem großen Netzwerk, gern einfach mailen oder anrufen. Viele Themen werden aber auch in unseren DELFI® – Jahresentwicklungskursen angesprochen oder kurz mit den Kursleitungen in Tür- und Angelgesprächen formuliert. Wir versuchen, wiederkehrende Themen oder Wünsche in Vortrags- und Gesprächsformaten zu gießen wie etwa die Autonomiephase oder der Übergang zur Krippe.

Sie bieten auch Paar- und Trennungsberatung an. Wird das wahrgenommen? Wer sind die Berater und Beraterinnen? Welche Qualifikationen müssen sie haben?

Es gibt ab und zu diesbezügliche Anfragen.  Wir verweisen hier weiter auf juristische Beratung in zwei Kanzleien, mit denen wir schon lange kooperieren.

Neben Beratung gibt es in der Familienbildung auch Projekte. Welche sind nach Corona wieder gut angelaufen?

Die Projekte sind unsere „Specials“, die nicht in jeder Familienbildung angeboten werden und oftmals über Drittmittel finanziert und daher besonders gut ausgestattet sind. Einige Projekte haben eine festgelegte Dauer. 

Ein ganz besonderes Angebot ist das Spielcafe „All in“ für Kinder mit besonderen Bedarfen von 3 Monaten bis 2,5 Jahren z.B. für entwicklungsverzögerte Kinder mit und ohne Diagnose. Zu uns kommen auch Eltern mit Kindern mit Downsyndrom oder Gehörlosigkeit. Speziell ausgebildete Fachkräfte wie z.B. unsere Heilpädagogin mit dem Schwerpunkt Frühförderung leiten das Spielcafé. 

Die beliebte Holzwerkstatt am Samstagvormittag für Kinder können wir Dank der finanziellen Unterstützung von „Hand in Hand für Norddeutschland“ für geflüchtete Familien kostenlos anbieten. Weitere Angebote im Bereich Musik- und Bewegung laufen ebenfalls über diese Finanzierung.

„Ein gedeckter Tisch“ ist ein Projekt, das sich an geflüchtete ukrainische Mütter wendet. Sie kaufen gemeinsam ein, kochen und essen zusammen. Der Kurs wird von einer russischsprachigen Ernährungsberaterin geleitet und von der „Diakonisches Werk Katastrophenhilfe“ finanziert. Bevor wir eine regelhafte Finanzierung sicherstellen konnten, haben wir unsere Küche wöchentlich zur Verfügung gestellt, einige Marktbeschicker vom Blankeneser Wochenmarkt haben unglaublich viel Gemüse gespendet und wurden dann von den Ukrainerinnen zum Essen eingeladen. Das war Gemeinschaft und Integration pur! Noch immer kaufen die Mütter auf dem Markt ein und an einigen Ständen gibt es bis heute noch „etwas obendrauf“! 

Daneben haben wir u.a. Yogaangebote auf Ukrainisch und Deutsch und bieten  

Ausflüge für ukrainische Familien an, um Hamburg kennenzulernen: einzelne Stadtteile und Parks, den Hafen, den Michel und die Kunsthalle. Auch das Kinderklick-museum wurde schon besucht! Dies alles gelingt uns durch die finanzielle Unterstützung der „Diakonisches Werk katastrophenhilfe“.

Leidet die Familienbildung auch unter Personalmangel?

Ja! Durch Corona haben uns Kursleitungen für feste Beschäftigungsverhältnisse verlassen. 

Für unsere Eltern-Kind-Kurse am Nachmittag suchen wir aktuell Kursleitungen, gern im Bewegungsbereich. Auch für unsere DELFI®- Kurse suchen wir Leitungen. Bei Interesse sehr gern bei mir melden!

Es ist schwieriger geworden, konstante Kursleitungen zu finden. Wir bekommen Anfragen von gut ausgebildeten pädagogischen Fachkräften, aber viele haben aufgrund eigener Kinder nur vormittags Zeit oder bleiben leider nur kurze Zeit bei uns, als Übergang, bis ihre Kinder größer geworden sind und die Kursleitungen dann wieder verlässlich feste Jobs übernehmen können. Dabei haben wir neben unserer guten Atmosphäre auch für unsere Kursleitungen viele Goodies, tolle Räume und eine 1a-Ausstattung!

Wie finanziert sich die Familienbildung?

Da wir dem Diakonischen Werk HH-West/Südholstein angehören, werden wir zum großen Teil aus Kirchensteuern finanziert. Auch von der BAGSFI bekommen wir Zuschüsse auf der Grundlage des §16 SBG VIII. Die dritte Finanzierungsquelle sind und Teilnehmer*innengebühren sowie unsere Drittmittel.

Können Sie alle Anfragen befriedigend „bedienen“?

Wir haben eine sehr hohe Nachfrage nach unseren DELFI®-Jahreskursen für die Eltern mit Kindern ab 3 Monaten, aber auch im Bereich Bewegung/Motorik für die 1-2 Jährigen. Wir bemühen uns sehr, Kursleitungen zu finden oder alternative Angebote anzubieten. Daher gehen wir auch gern Kooperationen ein, wie mit der Musikschule Klose oder dem Dockenhudener Turnverein. 

Was sollte sich aus Ihrer Sicht noch verbessern?

Wir freuen uns über neue Kursleitungen ebenso wie über neue Anregungen! Und wir hoffen, dass auch mehr Väter unsere Kurse besuchen. Wir freuen uns ebenso über Großeltern, die ihre Enkel begleiten. Ältere Menschen mit Zeit und Energie, die gern „Wunschoma oder –Opa“ werden wollen vermitteln wir gern an suchende Familien weiter! Bei uns kann man auch Räume für Kindergeburtstage oder Jubiläen anmieten.

Mein Wunsch ist, dass wir mit unserer Expertise und unseren pädagogisch ausgebildeten, erfahrenen und empathischen Kursleitungen noch bekannter werden, denn wir haben ein tolles abwechslungsreiches Angebot, sehr gut ausgestattete Räume, Instrumente, viele Bastel- und Malutensilien sowie Spiel- und Krabbelelemente aus der Psychomotorik…

Mein größter Wunsch ist es, dass jede junge Familie in Hamburg kostenlos an einem DELFI®-Kurs o.ä. teilnehmen kann! Rund ums erste Lebensjahr sind der Austausch unter den Eltern, die Unterstützung bei der individuellen Entwicklung ihrer Kinder in dieser Phase sowie Anregungen und Tipps für den Alltag nicht nur enorm hilfreich. In diesem Jahreskurs wird eine gute Bindung zum Kind gefördert, die die Basis ist für die weitere Entwicklung. 

Liebe Frau Trommler, herzlichen Dank für Ihre Zeit und den umfassenden Einblick in das große Angebot Ihrer Institution! „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Welch großen Beitrag leisten Sie mit Ihrer Einrichtung bei uns im Dorf mit der Unterstützung der jungen Familien!

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