Blankenese im Gespräch

EinE Krähe als Haustier

Luky – vom Himmel gefallen

Franzi – 13 Jahre alt, Blankeneserin, Schülerin des Gymnasiums Blankenese, hoffnungsvolles Hockeytalent hat sich mit großer Verantwortung einer winzigen Krähe angenommen, sie aufgepäppelt und ihr damit das Leben gerettet. Für blankenese.de hat sich Vera Klischan mit ihr getroffen

Liebe Franzi, Du bist 13 Jahre alt, wohnst in Blankenese und hast in diesem Frühjahr eine ganz besondere Begegnung gehabt. Eine kleine Krähe ist Euch zwar nicht in den Schoß, aber in den Garten gefallen. Wir freuen uns, dass Du uns etwas darüber erzählst.

Wie ist Luky zu Euch gekommen? Wie kommt man zu einer Krähe als Haustier?

Im Mai hatten wir ein Krähennest in einem großen Baum in unserem Garten. Am 30. Mai ist das Nest ausgeraubt worden und ein Raubvogel – wahrscheinlich ein Bussard – flog mit dem kleinen Vogel in den Krallen über unseren Garten. Die Kräheneltern flogen aufgeregt hinter ihm her. Vor Schreck hat der Raubvogel das Krähenjunge fallen gelassen. Es landete auf unserem Rasen. Wir sind sofort hingegangen und haben eine Handvoll Vogel gefunden. Zum Glück war die kleine Krähe nur leicht verletzt durch die Krallen des Räubers.

Wie haben sich die Kräheneltern verhalten?

Die Eltern haben überall nach ihrem Jungen gesucht. Sie sind oft über unseren Garten geflogen.

Habt Ihr sofort beschlossen, die Krähe aufzunehmen?

Eigentlich wollten wir sie nur kurze Zeit großziehen, aber das konnten wir nicht. Wir haben sie Luky genannt. Sogar in den Urlaub haben wir sie mitgenommen. Im Karton ist sie mit uns nach St. Peter-Ording gereist. 

Die Krähe Luky ©Franzi

Wie habt Ihr das Vögelchen aufgepäppelt und woher habt Ihr Euer Wissen bekommen?

Wir haben die kleine Krähe sofort in einen Pappkarton mit einer Wärmelampe gelegt. Dann hatten wir noch eine Art Käfig von unserem Hund Frieda. Der war prima dafür. Darin hat sie ihre Zeit verbracht. Zuallererst haben wir ihr Brei mit einer Spritze in den Schnabel gespritzt.  Alle 1 ½ Stunden haben wir sie gefüttert mit Mäuseembryos oder Eintagsküken, gemixt mit Blaubeeren und Haferflocken, so dass viele Nährstoffe im Futter sind.  Dazu haben wir ein bisschen Wasser in das Futter gegeben.

Wir haben alles gegoogelt, was wir wissen mussten. Ich habe mir selbst viele Gedanken gemacht, was solch ein Krähenbaby braucht. Gelegentlich hat sich auch unser Hund Frieda am Futter bedient. 

Das ist ja ein höchst ungewöhnlicher Speisezettel – Mäuseembryios mit Blaubeeren. Wo habt Ihr das denn bekommen?

Es gibt große, spezialisierte Tierfutterhandlungen, da gibt es solch ein Futter tiefgefroren zu kaufen.

Konntet Ihr die kleine Krähe frei fliegen lassen oder war sie in einem Käfig?

Am Anfang konnte sie gar nicht laufen, sondern lag nur in ihrem Handtuchnest unter der Lampe. Nach 4 Wochen haben wir einen Stock quer durch den Käfig gesteckt. Als sie plötzlich auf dem Stock saß, war klar, dass sie anfängt zu fliegen. Sie musste fliegen lernen, wir haben das mit ihr geübt.

Nach dem Urlaub in St. Peter-Ording ist sie noch 2-3 Wochen bei uns geblieben, dann ist sie, nachdem wir drei Tage nicht zu Hause waren, weggeflogen.

Nachdem sie zwei Wochen verschwunden war und wir dachten, es wäre um sie geschehen, sah ich Luky beim Hockeytraining auf einem Baum. Ich habe sie gerufen. Irgendwann flog Luky auf meinen Arm. Da habe ich sie ganz schnell im Wäschesack mit nach Hause genommen. Aber jetzt ist Luky weg. Manchmal hören wir sie noch. Wir würden sie auch sofort erkennen, da sie nur eine halbe Kralle hat durch eine kleine Verletzung.

Hat sich Frieda mit Luky verstanden?

Am Anfang ist sie Luky hinterhergelaufen, hat aber nicht nach ihr geschnappt, sondern gespielt. Als Luky groß war, war es umgekehrt. Die Krähe saß auf der Kiste und hat Frieda, als sie hochsprang, in die Pfoten gepickt. Luky hat Frieda geärgert. Es war aber nie gefährlich, obwohl es manchmal so aussah. 

Was war für Dich das Schönste an der Begegnung mit Luky?

Es war sehr interessant und ich habe viel gelernt, was Vögel angeht. Aber es war auch sehr anstrengend, immer pünktlich zu füttern. Ich bin dadurch sehr verantwortungsbewusst geworden. Wenn ich nicht zu Hause war, hat es sich nicht gut angefühlt. Oft bin ich in der Pause von der Schule nach Hause gefahren, um Luky zu versorgen. Es war für mich ein sehr aufregendes Erlebnis.

Endlich wieder da – Franzi mit Luky auf dem Hockeyplatz ©privat

Liebe Franzi, ich danke Dir für dieses Gespräch. Du beeindruckst mich sehr mit deinem Engagement und Deinem Verantwortungsgefühl für das kleine Lebewesen, dass sein Leben in Freiheit Dir verdankt. Du hast viel gelernt in den Wochen mit Luky, viel über die Aufzucht von Krähen, aber auch Abschied zu nehmen. Vielleicht erzählst Du später Deinen Kindern noch davon. „Ich hatte mal ein Haustier namens Luky…“

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