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Kriegsschicksal nach 85 Jahren aufgedeckt

Kriegsschicksal nach 85 Jahren aufgedeckt

Kriegsschicksal nach 85 Jahren aufgedeckt

Foto: wikipedia – U_995_Typ_VII-C_Laboe

(September 2026) „Können Sie uns vielleicht bei der Ermittlung noch lebender Angehöriger des 23-jährigen Marineleutnants Lütje-Hans Breckwoldt helfen, der am 15.11.1941 bei einem Unfall von U 583 vor der Küste Hinter-Pommerns in der Ostsee sein Leben verlor?“ Diese Mail erreichte uns vor ein paar Wochen vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Das damals von Kommandant Heinrich Ratsch geführte VII C-Ausbildungs-Boot der 5. U-Flottille, Kiel, war vom deutschen U-153  gerammt worden und unmittelbar danach gesunken. Keiner der 45 Mann zählenden Besatzung wurde gerettet. Es war 3 Monate zuvor in Dienst gestellt worden. Erst 85 Jahre später, im Sommer 2026, wurde das Wrack von polnischen Stellen entdeckt und damit auch das traurige Schicksal des jungen Leutnants bestätigt. Mit diesem Wissen gelang es jetzt, seine Beziehung zu Blankenese zu erhellen.

Lütje-Hans Breckwoldt stammte aus der Auguste-Baur-Straße 2. Seine Familie gehörte offenbar dem „Lütje-Zweig“ des Breckwoldt-Stammbaums an. Daher sein ungewöhnlicher Vorname. Sein Vater war Studienrat Dr. John Breckwoldt, seine Mutter eine geborene Thedens. Lütje-Hans´ Bruder Hajo wurde 1939 als Seemann in Chile interniert und hat den Krieg unbeschadet überlebt. Die Schwester der Beiden hieß Maja.

Blankenese blieb in den ersten Jahren des zweiten Weltkriegs von Bombenangriffen so gut wie unberührt. Erst im März 1943, bei einem von der Royal Air Force durchgeführten Nachtangriff auf Wedel, kam auch Blankenese zu Schaden. Die Streuweite der Bombenabwürfe deckte eine Strecke von 40 km Länge ab. Von der Hamburger Nikolaikirche im Osten bis Haselau im Westen, wo fünf Gehöfte abbrannten. Wedel wurde zu 70% zerstört. In Blankenese kamen verschiedene Häuser zu Schaden. Das Haus Auguste-Baur-Straße 2, in dem unser junger Marine-Leutnant aufgewachsen war, gehörte ebenso dazu, wie das gegenüberliegende Standesamt, zur Zeit des Angriffs Sitz der Blankeneser NSDAP Ortsgruppe. Heute steht dort der Martini-Block.

Bekannt ist, dass im zerstörten Haus Auguste-Baur-Straße 2 keine Menschenleben zu beklagen waren. Anders im nachbarlichen Eckhaus, wo eine 20-jährige Mutter, die sich im Luftschutzkeller schützend über ihren 2-jährigen Sohn gebeugt hatte, von einem Stützbalken erschlagen wurde. Der kleine Junge wurde unmittelbar nach dem Angriff vom 16-jährigen Oskar Rahloff geborgen. Dem jungen Mann war es wichtig, zunächst Menschen in der Nachbarschaft zu retten, obwohl sein Elternhaus „Blumen-Rahloff“ selbst schwer getroffen war. Zum Zeitpunkt des Angriffs wartete er auf seine Einberufung zur Marine.

Der gerettete kleine Junge und Oskar Rahloff sahen sich nach einer Ausstellung über den Angriff vom 03.März 1943, ausgerichtet 2013 vom Förderkreis Historisches Blankenese, zum ersten Mal wieder.   

Zum Glück kam Dr. Breckwoldt mit Familie nach der Ausbombung am Blankeneser Strandweg im Haus des Lokals „Zum Bäcker“ unter. Hier erlebten sie die Schrecken des Luftkrieges, die immer brutaler wurden. Die ständigen Luftalarme, die Salven schwerer Flak in der Sülldorfer Feldmark, nächtliche Lichtfinger von Scheinwerfer-Batterien am Himmel, die vielen schwarzgeränderten Todesnachrichten und die immer spärlicher werdenden Lebensmittelzuteilungen waren ein nicht enden wollendes Bündel schrecklicher Tatsachen. Schließlich kam die bedingungslose deutsche Kapitulation.

Tochter Maja heiratete den Studienrat Dr. Chemnitz. Das Paar bekam vier Kinder. Eines davon soll noch im Umland von Hamburg leben. Namen und Adresse haben wir dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wunschgemäß aufgegeben.

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