Süllberg, ca. 1925
Text von Maike und Ronald Holst –
in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013
1892 heiratete Friedrich-Franz Rohr die 14 Jahre jüngere Emmy Lübkert, die zwei Jahre vorher – als siebzehnjährige – eine Kochlehre auf dem Süllberg begonnen hatte.
Die zierliche Emmy war Tochter eines Kaufmanns aus Reinfeld und wuchs in Notsituationen über sich selbst hinaus. Sie wurde die dritte ungewöhnliche Frau der Familien-Dynastie auf dem Süllberg.

„Frohe Gäst. Dem Wirt ein Fest.“ hatte Berta Rohr 1869 auf ein großes Ziertuch sticken lassen. Das war auch die Devise ihrer Schwiegertochter, die das Tuch – als Motto des Hauses – über das lange Buffet im Neubau hängen ließ.
Unter ihr und ihrem Sohn Fritz wurden die Festmenus Legende. Die 9-gängige Speisenfolge zu einer Hochzeitsfeier ist überliefert: Oxtailsuppe, Punch á la romain, Frischer Lachs, Filet de boeuf á la Jardiére, Vol-au-vent á la Toulouse, Kücken, Compót und Salat, Eis und Backwerk, Dessert.
Nachdem ihr Ehemann Friedrich Franz 1911 – mit nur 53 Jahren – an einer verschleppten Angina gestorben war, leitete sie 14 weitere Jahre das große Haus mit insgesamt 940 Plätzen im Festsaal, Wein- und kleinem Bierrestaurant
Bereits ab 7.00 Uhr früh wurde das Frühstück serviert und selten trat der Feierabend vor 23.00 Uhr ein. Emmy mutierte zur Hotelkauffrau, Restaurantleiterin und Mutter von fünf Kindern in einem. Sie bestimmte Speisepläne, wählte die Weine aus. Resolut und selbstbewusst führte sie das Unternehmen durch gute und durch schwere Jahre, wie den Ersten Weltkrieg und die Inflation von 1923. Doch sie jammerte nie. „Wer arbeitet hat keine Zeit zu klagen!“ war ihr Wahlspruch.
Ihre ganze Energie hatte Emmy stets auf das eine große Ziel gerichtet, den Süllberg der Familie zu erhalten. Deshalb auch ließ sie ihren Söhnen eine gute Ausbildung angedeihen.
Nachdem sie den Süllberg 1925 an ihren Sohn Fritz weiter gegeben hatte, wollte sie endlich etwas von der weiten Welt sehen. Sie konnte es sich erlauben, nach Oslo und Kapstadt, nach Paris und Rom, Davos und Monaco zu reisen. Und sie konnte beruhigt sein, denn der Süllberg war bei ihrem Sohn in guten Händen.
FAZIT
Jede der fünf Generationen tat ihr bestes, das Süllberg-Restaurant und Hotel auf der Höhe der Zeit zu halten und immer genügend Gäste auf den Berg zu holen. Auch das Grundstück hat sich im Laufe der über 150 Jahre durch Zukäufe verdreifacht.
Und immer wieder packten die Frauen der Familie zu, wenn es darum ging, die Geschicke des Süllbergs – an der Seite ihrer Männer – durch Kriegs-, Not- und Inflationszeiten zu steuern.

1932 feierte Fritz Rohr (Emmys Sohn) auf dem Süllberg seine Hochzeit mit Edith Meynsen.
Man hatte sich auf dem traditionellen Ball des Grundeigentümerverbandes kennen gelernt.
Zum jungen Glück der Eheleute kam, dass es geschäftlich wieder bergauf ging.
BILD: Edith Rohr, geb. Meynen, ca. 1932
1932 feierte Fritz Rohr (Emmys Sohn) auf dem Süllberg seine Hochzeit mit Edith Meynsen. Man hatte sich auf dem traditionellen Ball des Grundeigentümerverbandes kennen gelernt. Zum jungen Glück der Eheleute kam, dass es geschäftlich wieder bergauf ging.
Doch schon vor Kriegsausbruch 1939 wurde Kaffee und Butter auch für Gastronomiebetriebe rationiert. Der Einkauf von Kaffee musste um 33%, der von Butter sogar um 75% gegenüber dem Vorjahr reduziert werden. Am 1. September begann dann der 2. Weltkrieg, der für Hamburg mit Einzug der britischen Truppen am 3. Mai 1945 endete.
Am 8. Mai kamen zum ersten Mal britische Besatzungssoldaten auf den Süllberg.


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