7. Oktober 2026: In einer ausgewogenen Gesprächsrunde stellt sich die GemeindeAkademie einem schwierigen Thema – dem Sterben. Jeden wird der Tod ereilen. Aber darüber zu sprechen fällt vielen schwer.
Maren Kemmer begrüßt als Leiterin der GemeindeAkademie die große Zuhörerschaft. Viele ältere, aber auch einige junge Menschen zeigen mit ihrer Teilnahme an diesem Abend, dass es ein Bedürfnis gibt, über das Lebensende zu sprechen. Und darüber sprechen oben auf dem Podium Dr. Frauke Timmreck als Palliativmedizinerin, Julia Behnk, Leiterin des Emmaus Hospiz, Clarita Loeck, dessen Gründerin, Frank Engelbrecht, Gemeindepastor und Lutz von Rosenberg-Lipinskiy, Kabarettist und Theologe, klug moderiert von Kulturjournalist Tobias Lentzler.
Michel de Montaignes stärkste Trumpfkarte gegen die Angst vor dem Tod ist die Gewöhnung und die bewusste Vertrautheit mit der eigenen Sterblichkeit. Anstatt den Tod zu tabuisieren oder vor ihm zu fliehen, plädiert Montaigne dafür, dem Tod seinen größten Vorteil zu nehmen: seine Fremdartigkeit. Und genau dazu soll dieser Abend einen Beitrag leisten. Ein mutiger Einstieg in ein schwieriges Thema, das immer noch von vielen Tabus besetzt ist.
Tobias Lentzler befragt die Podiumsteilnehmer nach der eigenen Einstellung zum Sterben und zum Tod. Die Palliativmedizinerin beschreibt den Sterbeprozess als sehr individuell. Sie weiß, dass das Hören bis zum Schluss erhalten bleibt, auch wenn viele Vitalfunktionen schon ausfallen sind. Eine wichtige Botschaft für die Menschen, die Sterbende begleiten.
Der Tod macht alle Menschen gleich. Er ereilt jeden einzelnen. Und trotzdem ist er nicht Teil unseres Lebens, da wir ihn aus unserem Bewusstsein ausklammern. Nicht so in der Literatur und der Musik. Pastor Engelbrecht führt dazu einige Beispiele an. Er stellt auch die zentrale Bedeutung des Todes im Christentum heraus.
Clarita Loeck und Julia Behnk berichten von ihren Erfahrungen im Hospiz. Es ist sehr unterschiedlich, wann die Menschen kommen. Manchen sind nur einige Stunden vergönnt, andere erfahren eine neue Lebenskraft durch die beschützende Betreuung und bleiben bis zu einem Jahr. Respektvoll werden die kranken Menschen „Gäste“ genannt. Manche wollen sich nicht mit dem eigenen Sterben auseinandersetzen, wollen es nicht wahrhaben. Das akzeptieren die Mitarbeitenden im Hospiz, auch wenn sie sich oftmals ein Gespräch wünschen.

Angeregt durch einen Impuls des Kabarettisten Rosenberg-Lipinskiy wirft die Runde ein Licht auf die Anstrengungen vieler Menschen, möglichst lange zu leben. Möglichst viele Schritte, nicht rauchen, wenig Alkohol, gesunde Ernährung – all das, um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen?
Frau Dr. Timmreck will als Palliativmedizinerin eine Antwort auf die Schulmedizin geben. „Nicht das Machbare, aber das Sinnvolle tun.“ Von diesem Satz lässt sie sich in ihrem Handeln leiten und beschreibt ihre Arbeit als ungemein bereichernd.
Befragt nach der größten Angst in den letzten Stunden vieler Sterbenden, sind sich die Experten einig. Jemand, der im Glauben gehalten wird, geht zuversichtlicher in den Sterbeprozess als jemand, der keinen Trost in der Hoffnung auf ein Weiterleben findet. In diesen Situationen helfen die Gespräche, das Zuhören, oftmals auch der im wahrsten Sinn des Wortes unbezahlbaren Ehrenamtlichen.
Angst vor Schmerzen zu nehmen, einfach da sein, am Bett zu sitzen – darin besteht das Aufgehobensein im Hospiz.
Was bewegt die Menschen im Hospiz am Lebensende? Oft ist es die Sorge um Dinge und Menschen, die sie überleben werden. Liebgewonnene Dinge, an denen jahrzehntelange Erinnerungen hängen, aber vor allem die Menschen im vertrauten Umfeld. Da sind entlastende Gespräche ungemein wichtig. Die Frage nach dem letzten Gebet wird ganz klar mit dem „Vater unser“ beantwortet. Auch viele derjenigen, die Gott in ihrem Leben nicht brauchten, vertrauen am Ende auf die tröstende Wirkung dieser Worte.
Auch Schuld lastet auf einigen Schultern. Manche reden sich noch vieles von der Seele, andere nehmen belastende Dinge mit. Alles wird respektiert. Pastor Engelbrecht bezeichnet die Schuldfrage als zentral im Prozess des Abschiednehmens. Bleiben wir nicht alle immer etwas schuldig?
Clarita Loeck wünscht sich mehr Normalität im Umgang mit dem Tod ohne Angst. Für Dr. Frauke Timmreck ist der Abschied im Hospiz eine würdevolle und tröstliche Weise aus dem Leben zu gehen.
Die Leiterin des Hospizes Juila Behnck ist sich sicher, dass man ihr Haus einmal erleben muss, um Vertrauen in diese besondere Institution zu bekommen. Zum Schluss erinnert Pastor Engelbrecht an Sophie Scholl, die mit 21 Jahren mutig und aufrecht in den Tod gegangen ist.
Ein eindrucksvoller Abend, der bei vielen nachwirken wird.
Ein Dank an die Beteiligten sich diesem Thema offen zu stellen!
Vera Klischan


0 Kommentare