„Was ich mit dem Herzen erinnere, ist nicht verbrannt“

Am vergangenen Freitagmorgen brannte das zum Schulschwimmbad des Gymnasiums Blankenese gehörende Hausmeisterhaus lichterloh. Das Dachgeschoss und die Wohnräume des Hausmeisterpaars wurden völlig zerstört. Hausmeister Klaus Thierling, seine Lebenspartnerin Bea und die beiden Hunde fanden in einem zwischenzeitlich als Büro genutzten Pavillon auf dem Schulgelände eine vorläufige Bleibe. Eine spontan aufgesetzte Spendenkampagne zeigt deutlich, wie groß das Gemeinschaftsgefühl in Blankenese nach wie vor ist.

Dankbar über die überwältigende Hilfsbereitschaft: Klaus Thierling und Bea Farid mit „Lehmann“ und „Pummelfee“ © blankense.de

Über 320 Einzelspenden sind bereits nach fünf Tagen über die „Gofundme“ Plattform für die Kampagne „Hilfe Klaus Thierling, Bea und die Hunde“ eingegangen. Sowohl öffentliche als auch anonyme Spenden, die Summen gehen von 10 bis 500 Euro. Vor allem, nachdem Michael Koops, Schulleiter des Gymnasiums Blankenese, in seinem sonntäglichen Rundschreiben an die Schulgemeinschaft auf den Brand und die Möglichkeiten zur direkten Hilfe hingewiesen hatte, stieg das Spendenaufkommen signifikant.

„Die Welle der Hilfsbereitschaft hat uns überwältigt“

Ein unterer fünfstelliger Betrag ist so zusammengekommen, der dem Paar, das bei dem Brand alles verloren hat, beim gemeinsamen Neuanfang nach der Brandkatastrophe helfen wird.

„Als wir am Sonntag nach Blankenese zurückkamen und sahen, was hier alles für uns gemacht wurde, hatte ich Gänsehaut bis zu den Fußnägeln“, sagt Bea Farid, die zusammen mit Klaus Thierling in der Brandnacht nicht zu Hause, sondern auf einem Familienfest in der Nähe von Stendal war. „Bei unserer Rückkehr waren wir vom Anblick der Ruine erst einmal geschockt. Es ist etwas anderes, ob man auf dem Handy ein Foto betrachtet oder diese Zerstörung mit eigenen Augen sieht. Und dann haben wir gesehen, mit wie viel Liebe die Schulgemeinschaft für uns den Pavillon als Wohnung eingerichtet hat. Sogar die Betten waren bezogen. Diese Welle der Hilfsbereitschaft hat uns überwältigt.“

„Ich möchte jedem Einzelnen von Herzen danken“

Zusammen mit den beiden Hunden „Lehmann“ und „Pummelfee“ lebt das Paar nun in dem ehemaligen Hausmeisterpavillon auf dem Schulgelände, der inzwischen als Büroraum genutzt wurde. Auf Initiative der Schule und mit dem Engagement einiger Lehrerinnen und Lehrer am dritten Adventwochenende wurde die kleine Wohnung innerhalb von Stunden mit Sachspenden oder Leihgaben aus der Elternschaft möbliert. Ein deutliches Zeichen dafür, wie eng die Schulgemeinschaft mit dem Ort Blankenese, seinen Bürgerinnen und Bürgern zusammengehört. „Diese spontane Hilfsbereitschaft, dieses gemeinsame Mit-Anpacken und die vielen Spenden haben mich sehr berührt“, sagt Klaus Thierling. „Diese große Anteilnahme hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich möchte jedem Einzelnen von Herzen danken.“

Der ausgebildete Taucher, der seit vielen Jahren vor allem für den technischen Betrieb des Schwimmbads im Hessepark verantwortlich ist, zeigt sich sichtlich bewegt von der großen Hilfsbereitschaft und den vielen Spenden, die eingegangen sind, um ihm und seiner Partnerin über die ersten schweren Wochen und Monate hinwegzuhelfen. Bei dem Brand verloren sie ihr gesamtes Hab und Gut. Fotos, Erinnerungen und Dokumente, die man nicht wieder kaufen kann. Auch die wenigen Erinnerungen an Klaus Thierlings Zeit als einer der erfolgreichsten Judoka der DDR und seine Teilnahme an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau sind verbrannt.

Aber: „Was ich mit dem Herzen erinnere, ist nicht verbrannt“, sagt Bea Farid. „Als ich 1989 aus der DDR nach Westdeutschland geflohen bin, habe ich auch alles zurücklassen müssen. Nun fange ich ein weiteres Mal neu an.“

Glücklich erzählt sie, dass sie einen Ring mit einem türkisfarbenen Stein und die passende Kette, ein Geschenk von Klaus während eines gemeinsamen Urlaubs in Ägypten, während des Kurzurlaubs trug. So wurden diese beiden Schmuckstücke kein Opfer der Flammen.

„Von dem immensen Spendenaufkommen und der Hilfsbereitschaft bin ich tief beeindruckt“

Neben den über die digitale Plattform eingegangenen Spenden sammelte auch Mathias Offen, Betreiber der „Blankeneser Futterkrippe“ auf dem Blankeneser Markt, Spenden für das Hausmeisterpaar ein. „Schon einen Tag nach dem Brand kam die erste Kundin zu mir und sagte, dass sie die Futterrechnung für beide Hunde für eine Woche übernimmt“, sagt der Ur-Blankeneser, der das Schwimmbad im Hessepark von Kindheit an kennt. „Von dem immensen Spendenaufkommen und der Hilfsbereitschaft bin ich tief beeindruckt, ich hätte nicht gedacht, dass es so etwas in Blankenese heute noch gibt.“ Viele Kunden, sagt er, hätten immer wieder betont, wie furchtbar es sei, vor allem vor Weihnachten alles zu verlieren. Zu einer Jahreszeit, in der es dunkel und kalt ist und jeder sich gerne in sein eigenes Zuhause zurückzieht.

Die finanzielle Hilfe werden Bea Farid und Klaus Thierling nun auf einem eigenen Konto anlegen, auf das sie immer dann zugreifen, wenn sie die nächste Anschaffung für ihren gemeinsamen Neuanfang tätigen. Bekleidung, Schuhe, Textilien, Mobiliar, Laptop, Tiefkühltruhen für das Hundefutter – die Liste der Gegenstände, die bei dem Brand vernichtet wurden, ist lang.

„Es ist mir wichtig zu betonen, dass wir vor dem Brand bescheiden waren und sich daran auch nach dieser wunderbaren Hilfe von so vielen lieben Menschen nichts ändern wird“, sagt Bea Farid. „Wir haben vorher auch viel über Kleinanzeigenportale gekauft, das werden wir auch so beibehalten.“ Bis zu dem verheerenden Brand hatte sie eine Vollzeitstelle und war für die Sauberkeit des Schwimmbads und der Umkleideräume zuständig, nun bleibt ihr vorerst nur ein Aushilfsjob in einem Lebensmittelgeschäft in der Blankeneser Bahnhofstraße.

„Wir danken jedem Einzelnen, der uns in den vergangenen Tagen durch aufmunternde Worte, Geschirr, Besteck und Mobiliar oder eine Spende geholfen hat, sehr herzlich“, sagt Klaus Thierling mit Nachdruck. „Wir sind überwältigt von der großen Hilfe und Großzügigkeit und können nicht oft genug ‚Danke‘ sagen.“

Wie es zu dem Brand in dem Haus kam und wann mit dem Abriss der Brandruine und einer Neubebauung begonnen wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Briefumschläge mit aufmunternden Worten und Spenden wurden bei Mathias Offen abgegeben © blankense.de

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