Wechsel in der Buchhandlung Kortes

Hiltrud Klose sagt „Tschüs“

Nach 16 Jahren übergibt Hiltrud Klose ihre Buchhandlung an Pascal Mathéus und Florian Wernicke. Von jung bis alt hat jeder seine Lektüre bei Frau Klose gefunden, nicht zuletzt durch kompetente Beratung und begeisternde Empfehlungen. Am 1. Oktober haben die Blankeneser und Blankeneserinnen die Möglichkeit, Frau Klose in den Ruhestand zu verabschieden und die beiden neuen Inhaber kennenzulernen. Vera Klischan hat sich mit den Nachfolgern unterhalten.

Lieber Herr Mathéus haben Sie die Buchhandlung gefunden oder hat sie Sie gefunden?

Eine Mischung aus beidem. Während der Coronazeit habe ich viel im Home-Office gearbeitet. Meine Frau, deren Eltern schon lange in Rissen wohnen, lebte mit unserer ersten Tochter hier in Blankenese, während ich zwischen Hamburg und Zürich pendelte. In dieser Zeit bin ich Kunde der Buchhandlung Kortes geworden. Es entstand sogar ein Video mit mir, wie ich an der Tür über click and collect bezahle. Es ist auf der Facebook-Seite meines Literaturblogs „Aufklappen“ zu sehen. 

Als ich nach Freiburg zog, habe ich Anfang 2021 in der Buchhandlung „Zum Wetzstein“ angefangen. Florian Wernicke kam im Januar dieses Jahres dazu und wir wollten die Buchhandlung gemeinsam übernehmen. Aus einer kleinen Buchhandlung, die einen Großteil der Ladenfläche an eine Stoffhandlung abgetreten hatte, haben wir wieder ein großes Geschäft mit neuem Programm und komplett erneuerter Infrastruktur gemacht. Leider konnten wir mit der Eigentümerin für die Übernahme keine Einigung erzielen.

Da fügte es sich bei einem Treffen zwischen Verlegern und Buchhändlern, dass ich beim Abendessen mit einem Blankeneser Verleger zusammensaß. Es kam noch eine Hamburger Buchhändlerin dazu, die bei Stichwort Blankenese den entscheidenden Hinweis auf den Verkauf der Buchhandlung Kortes gab. Ohne dieses Tischgespräch hätte ich nichts davon erfahren. Eine Woche später saßen wir schon bei Frau Klose…

Florian Wernicke, Cathrin Stenzel, Pascal Mathéus (rechts) ©Louisa Schwope

Wie sehen Ihre bisherigen beruflichen Laufbahnen aus? Waren Bücher immer das zentrale Thema?

Ich bin Historiker und habe Philosophie und Geschichte studiert, genau genommen bin ich Althistoriker. Meine Dissertation zum Thema „Ironie bei Herodot“ ist beinahe abgeschlossen. Literatur interessiert mich sowohl beruflich als auch privat, Belletristik, Sachbücher, vor allem deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Mich treibt besonders die Frage um, was sich mit den Mitteln unserer Muttersprache über die Welt aussagen lässt. Dazu liebe ich die deutsche Sprache, was sich auch auf meinem Blog „Aufklappen“ niederschlägt, das der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gewidmet ist.

Die letzten 5 ½ Jahre habe ich als wissenschaftlicher Assistent am historischen Seminar der Uni Zürich verbracht. Dann kam Freiburg und jetzt bin ich in Hamburg. 

Florian Wernicke ist Gerontologe. Er war stellvertretender Leiter einer Seniorenresidenz, dann wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Zuletzt hat er im Sozialministerium in Stuttgart gearbeitet, wo er für Digitalisierung in der Langzeitpflege zuständig war. Als dann jedoch die Verbeamtung „drohte“, nutze er die letzte Möglichkeit, um abzubiegen und entschied sich dazu, mit mir zusammen ins Buchhandelsgeschäft einzusteigen. 

Sie übernehmen eine sehr beliebte und etablierte Buchhandlung. Woran werden wir die „neue Handschrift“ erkennen?

Man wird es ganz handfest und wortwörtlich erkennen an den handgeschriebenen Gedichtblättern, die wir anbieten werden. Behutsam werden wir mit unseren eigenen literarischen Vorlieben Akzente setzen, etwa in den Bereichen Lyrik, illustrierte Bücher und politische Literatur. Auch Klassiker und besonders schön gemachte Buchreihen – wie zum Beispiel die SALTO-Bände aus dem Wagenbach Verlag möchten wir ins Programm aufnehmen. Schließlich wird es neuerdings eine Auswahl an philosophischen Klassikern geben sowie einige ausgewählte literaturkritische Publikationen.  

Gibt es auch „NoGos“, das heißt Literatur, die bei Ihnen nicht zu finden ist?

Radikale und verfassungsfeindliche Publikationen werden Sie bei uns nicht finden. Ansonsten sind wir offen für Dialog und Debatte.

Sie haben hier vorwiegend Stammkunden. Werden Sie selbst im Laden stehen, Ihre Kunden und Kundinnen und deren Lesegewohnheiten kennenlernen und beraten?

Absolut! Wir freuen uns auf die Stammkunden und werden sehr präsent sein. Der enge Austausch mit Menschen und das nicht abreißende Gespräch über Literatur ist doch das Schöne an dem Beruf. 

Planen Sie Veranstaltungen in Ihrer Buchhandlung, z.B. Lesungen? Oder auch Kooperationen mit lokalen Institutionen, z.B. den Schulen oder den Kirchen?

Auf jeden Fall! Ein Projekt mit einem Leistungskurs der benachbarten Schulen können wir uns gut vorstellen. 

Es gibt auch jetzt schon drei Termine für Veranstaltung in der Buchhandlung. Am 12.10. kommt Norbert Gstrein und liest aus seinem neuen Roman „Vier Tage, drei Nächte“. Im November kommen Hanns-Stephan Haas und Peter Wenig und stellen den Waitzstraßenkrimi „Vergiss den Tod“ vor. Vergiss-den-Tod.html Florian Wernicke wird mit den Autoren über die gesellschaftlichen Herausforderungen von Demenz sprechen. Im Dezember schließlich freuen wir uns auf Rainer Moritz, der seinen neuen Roman „Das Schloss der Erinnerungen“ im Gepäck haben wird.

Darüber hinaus sind wir für jede Art der Kooperation offen und freuen uns auf den Austausch mit den Akteuren hier in Blankenese.

Wie schätzen Sie die Konkurrenz der E-Books ein?

Wir fürchten sie nicht, weil wir an die ästhetischen Qualitäten des Gesamtkunstwerkes Buch fest glauben. E-Books sind gleichwohl gefragt, weil vieles an ihnen praktisch ist. In Zukunft wird man deshalb in unserem Onlineshop auch E-Books kaufen können. Wir freuen uns natürlich sehr, wenn unsere Kundinnen und Kunden ihre E-Books über uns beziehen und kein riesiger Konzern davon profitiert.

Wie wappnen Sie sich gegen den Onlinehandel, z.B. Amazon? Gibt es diesbezügliche Überlegungen?

Wir werden ab dem 1.10. einen Onlineshop haben, so dass man rund um die Uhr Bücher bestellen kann. Entweder holt man sie im Geschäft ab oder sie werden nach Hause geliefert. Weiterhin nehmen wir natürlich gerne Bestellungen via Telefon oder E-Mail entgegen. Auch ein eigener Lieferservice ist geplant.  Amazon macht uns keine Angst, denn die Beratung und Begegnung vor Ort kann nichts ersetzen.

Was ist der schönste Teil Ihrer Arbeit als Buchhändler?

Zwei Dinge! Der enge Kontakt mit den Menschen, die lesen. Man erkennt sich. Sie sind Verbündete im Geist. Zum anderen die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Verlagsprogrammen und der persönliche Kontakt zu jenen, die das, was wir lesend erfahren erzeugen und gestalten. Diese Landschaft ist bunt und interessant. Sich täglich etwas anderes vorzunehmen, ist eine Freude für uns.

Alle Blankeneser und Blankeneserinnen sind am 1.10. ab 11 Uhr herzlich zu einem Umtrunk eingeladen, um Frau Klose zu danken, sie zu verabschieden und mit ihr in die Zukunft zu schauen. Gleichzeitig werden sich die neuen Inhaber Pascal Matheus und Florian Wernicke vorstellen und sich über viele gute Gespräche freuen.

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