Blankenese im Gespräch

„Das Dachstübchen. Mein Refugium, in dem ich meine Liederträume realisiere“

Anuschka Präßl, Rolf Zuckowski und Martin Tingvall
Anuschka Präßl, ihr Vater Rolf Zuckowski und Pianist Martin Tingvall nehmen zusammen mit Band das Weihnachtskonzert 2020 „Wär uns der Himmel immer so nah“ im Hamburger Planetarium für den NDR auf © Musik für Dich

Ihm verdanken wir den Geburtstagsklassiker „Wie schön, dass du geboren bist“, das beliebte Lied „Komm, wir woll‘n Laternelaufen“ und natürlich „In der Weihnachtsbäckerei“ – Songwriter Rolf Zuckowski. Zusammen mit seiner Frau wohnt er im Blankeneser Treppenviertel. In dem kleinen Dachstübchen des Hauses hat er vor fast 50 Jahren angefangen Lieder zu komponieren. Dieses Jahr, beeinflusst von den Beschränkungen durch die Corona-Pandemie und den allgemeinen Rückzug ins Private, wurde der Raum zu seinem privaten Aufnahmestudio für „Liedergeschichten aus dem Dachstübchen“. Für Blankenese.de sprach Sandra-Valeska Bruhns mit ihm über die Veränderungen im Alltag eines Musikers, die Aufnahmen für sein Adventskonzert und seine persönlichen Pläne für das Weihnachtsfest 2020

In der Zeit des ersten Lockdown hast du deine Fans mit „Liedergeschichten aus dem Dachstübchen“ überrascht. Wie kam es zu diesem neuen Format, in dem du ganz persönlich über die Entstehungsgeschichte deiner Songs berichtest?

Im März, kurz vor dem ersten Lockdown, sind wir aus der Schweiz zurückgekommen und haben uns vorsorglich erst einmal in häusliche Quarantäne begeben. Es war fast unnatürlich still um uns herum, kein Flugzeug am Himmel, kaum Schiffe auf der Elbe.  Die Kinder gingen nicht in die Schule. Da wurde an mich die Frage nach dem Entstehungsprozess eines Liedes herangetragen. Und dann bin ich in mein Dachstübchen hinaufgegangen und habe angefangen zu erzählen. Das habe ich selbst mit der Handykamera aufgenommen und geschnitten. Und auf dieses Lied folgten noch viele weitere. Diese „Liedergeschichten aus dem Dachstübchen“ schneide ich alle selbst zusammen, unter dem Namen meines Labels „Musik für dich“ poste ich sie dann auf Facebook und Instagram. Als ‚special guest‘ kam im März für einen live Auftritt auch mein guter Freund Otto Waalkes per Live-Video-Schaltung mit in mein Dachstübchen. Mit diesen Liedergeschichten habe ich aber nicht nur die Hintergründe meiner ganz berühmten Songs erzählt, sondern meinen Hörern auch verborgene oder vergessene Schätze vorgestellt.

Wie muss man sich diese Songwriter Werkstatt mitten in Blankenese vorstellen?

Dieses Dachstübchen ist ein kleiner, rund zwei mal zwei Meter großer Raum bei uns oben im Dachgeschoss, in den ich mich schon zum Komponieren und Musikmachen zurückgezogen haben, als unsere Tochter Anuschka ein Baby war. Der Raum ist so klein, dass ich es nicht schaffe, ganz von der Kamera eingefangen zu werden. Seit 1971 war dieser kleine Raum mein Rückzugsort, hier entstanden neue Lieder, beim Blick aus dem Fenster, auf den Himmel und die Wolken konnte ich meine Gedanken schweifen lassen und ungestört auf der Gitarre neue Kompositionen entwickeln. Dieses Jahr, befördert durch den Lockdown und die Schutzmaßnahmen, bin ich verstärkt in das Refugium zurückgekehrt, wo ich zu Beginn meiner Songwriter Karriere meine Liederträume realisiert habe. 

Fehlen dir die derzeit nicht möglichen öffentlichen Konzerte und Auftritte?

In den letzten Jahren habe ich nur noch wenig große Konzerte gegeben, der letzte sehr große Auftritt war vor drei Jahren mit allen Chören des „Elbkinderlandes“ in der Elbphilharmonie. Dazu kommen immer wieder Auftritte im ganzen Elbkinderland und seit 2018 das Weihnachtskonzert im Planetarium. Dieses Jahr ist das alles nicht möglich, die direkten Emotionen, die man auf der Bühne erlebt, fehlen mir genauso wie die tiefe Verbundenheit, die man mit dem Publikum empfindet, wenn Textpassagen mitgesungen werden. Dafür habe ich – vor allem für die Geschichten aus dem Dachstübchen – sehr viel Feedback direkt über die Kommentarfunktion bei Facebook und Instagram bekommen. Diese Beiträge kann ich – im Gegensatz zu persönlichen Briefen, die mich über mein Büro erreichen – nicht alle persönlich beantworten, aber ich lese sie und sehe mit Freude, wie viele Menschen meine Lieder bewegen und wie viele persönliche Erinnerungen mit den einzelnen Texten verknüpft sind.

Wie viele Menschen erreichst du mit deinen Episoden aus dem Dachgeschoss?

Inzwischen habe ich über Facebook und Instagram insgesamt etwa 100.000 Follower, mit dem Beginn meiner Liedergeschichten aus dem Dachstübchen haben sich die Zahlen seit März 2020 fast verzehnfacht. Inzwischen schaffe ich es nicht mehr, täglich eine neue Folge zu produzieren, der Zeitaufwand, bis ich den Beitrag mit der iphone-Software geschnitten habe, ist schlicht zu hoch. Inklusive der Nachbearbeitung brauche ich einen halben Tag, bis eine neue Dachstübchenfolge fertig ist. Doch es gibt Tage, Momente oder auch Gedanken, an denen ich schnell in meine Songwriter-Werkstatt gehe, weil ich eine Idee habe, die eilig umgesetzt werden muss. 

In diesem besonderen, von der Corona-Pandemie geprägten Jahr, müssen viele lieb gewonnene Veranstaltungen und Konzerte pausieren. Wie groß ist für dich der Verzicht auf ein Weihnachtskonzert?

Sehr gerne hätte ich auch dieses Jahr wieder im Planetarium zusammen mit meiner Band Konzerte gegeben. Doch wenn die Zuschauer dieses Jahr nicht kommen dürfen, kommen wir eben zu ihnen – wenn auch digital. In den nächsten Tagen nehmen wir im Planetarium unser Konzert, das wir im letzten Jahr aufgeführt haben, für den NDR auf. Neben mir, auf der Bühne, aber mit dem wichtigen körperlichen Abstand zueinander, steht meine Tochter Anuschka. Dazu kommt meine  Band, die mich seit Jahren begleitet, mit meinem Sohn Alexander, Dieter Faber, Michael Gundlach und die vielen Fans des Musicals „König der Löwen“ bekannte Flötistin Katie Zahn. Als Stargast haben wir Martin Tingvall dabei. Er spielt Improvisationen über meiner Kinder-Weihnachtslieder und erweitert bei einigen Titeln auch meine Band. Wir werden mit dem Team den ganzen Tag zusammen sein, so dass wir jeden Tag vor Beginn der Proben einen Corona-Schnelltest machen werden. Und alle, die nicht gerade aktiv ihr Instrument spielen, werden einen Mundschutz tragen.

Wann können wir das Konzert hören und vor allem ansehen?

Das Programm mit dem Titel „Weihnachtskonzert mit Rolf Zuckowski“ wird die Projektionen, die im Planetarium auf der großen Kuppel zu sehen sind, fernsehgerecht umsetzen. Das Konzert wird am 13. und 24. Dezember im NDR Fernsehen gezeigt und ist ab 13. Dezember in der ARD-Mediathek. Insgesamt sind wird drei Tage im Planetarium, auf einen intensiven Musikprobentag folgt ein Tag für Lichtproben und die Ausrichtung der Projektionen. Am dritten Tag werden wir dann das Konzert aufzeichnen.

Was verbindet dich mit dem Titelsong des Konzertes?

Das Lied stammt von meinem erfolgreichsten, meistverkauften Album „Winterkinder“. Darauf befindet sich auch die populäre „Weihnachtsbäckerei“. Doch während sich dieses Album vor allem an Kinder richtet, ist „Wär‘ uns der Himmel immer so nah“ ein Lied, das an erwachsene Zuhörer adressiert ist, und damit auch deutlich macht, dass dieses Weihnachtskonzert kein Kinderkonzert ist.

Das kulturelle öffentliche Leben ist derzeit zum Erliegen gekommen, gerade in der Weihnachtszeit fehlt uns der festliche Klang der Orgeln und Chöre. Was empfiehlst du für Alternativen?

Die Weihnachtszeit, die vor allem durch Musik und Konzerte geprägt ist, wird dieses Jahr anders sein. Der für viele obligatorische Besuch einer Aufführung des Weihnachtsoratoriums wird ausfallen, ebenso der Kindergottesdienst mit dem Krippenspiel. Dafür bietet sich die Gelegenheit, ein Werk zu Hause einmal ganz in Ruhe durchzuhören, sich für die Musik und die Texte intensiv Zeit zu nehmen. Die „Himmelskinderweihnacht“ von meinem leider im letzten Jahr verstorbenen Freund Wolfram Eicke und Dieter Faber ist so ein Musikhörspiel, das sich lohnt, einmal ganz bewusst gehört zu werden. Die Corona-Zeit ist zudem eine Möglichkeit, Hausmusik und kulturelles, musikalisches Miteinander in den eigenen vier Wänden neu zu entdecken. Diese besondere Zeit setzt auf einmal Kapazitäten und Zeitfenster frei, in denen ein Instrument neu entdeckt werden kann, gemeinsam gelesen wird oder Gedichte vorgetragen werden. Diese Neu-Besinnung kann man auch auf die Weihnachtstage übertragen, wenn wir im kleinen Kreis, aber nicht weniger innig, Weihnachten feiern werden.

Wie wirst du mit deiner Familie dieses Jahr Weihnachten feiern?

Wir haben uns einen Hepa-Luftfilter gekauft, um uns und die Familie, die wir Weihnachten sehen werden, so weit wie möglich zu schützen. Das familiäre Zusammengehörigkeitsgefühl, dass vor allem Weihnachten besonders spürbar ist, werden wir auch dieses Jahr genießen – mit allen Kindern und Enkeln. Die geltenden Corona-Regeln lassen das ja zum Glück zu.

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1 Kommentar

  • Antworten
    Arturo
    19. Dezember 2020 at 19:57

    Eine Kinderlieder Legende der Herr Zuckowski. Tolle Idee mit dem Konzert:
    Die erste Ausstrahlung haben wir zwar verpasst, aber vielleicht denken wir an die 2.

    Wir werden im ganz kleinen Kreise mit viel Musik, Spielen und leckerem Essen feiern.
    Die Kinder dürfen aussuchen welche Musik läuft 🙂

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