Blankenese gedenkt der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus

Sören Sörensen, Blankeneser Urgestein, Segler, Vater und vor allem engagierter Bürger, hatte vor zwei Jahren beim Blick auf die Stolpersteine am Blankeneser Elbufer eine Idee. Am 9. November, dem Tag der Reichspogromnacht, sollen Kinder und Jugendliche des Stadtteils sich mit einer ausgewählten Biografie einer der tragisch ums Leben gekommen, durch die Stolpersteine präsenten Personen, beschäftigen und den Stein putzen. 2020 besuchten die ersten Gruppen Stolpersteine in Blankenese. Der Aktion haben sich inzwischen die Blankeneser Schulen und Vereine angeschlossen. Alle Beteiligten trafen sich gestern zu einer beeindruckenden Gedenkfeier in der Blankeneser Kirche am Markt. Für blankenese.de berichtet Vera Klischan von diesem besonderen Gedenken

Fast alle sind gekommen. Die Blankeneser Schulen, ehemalige und aktive Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrer, Sportvereine und vor allem viele Kinder und Jugendliche. Die Kirche ist am 9. November 2022 um 16.30 Uhr zu dieser ersten Gedenkfeier voll.

Am Vormittag haben die Kinder und Jugendlichen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern ihren ausgewählten Stolperstein besucht und auf Hochglanz poliert. Sie haben sich mit der Biographie des Menschen beschäftigt, dessen Name auf dem Stein steht, und die Lebensgeschichte in einer Kurzbeschreibung festgehalten.

Stolperstein von Julius Asch ©Sören Sörensen

Am Nachmittag trafen sich alle in der Blankeneser Kirche am Markt. Die Verfolgten und zum Teil ermordeten jüdischen Mitbürger wurden durch die Nennung ihrer Namen in die Mitte der Gemeinschaft geholt. Ruben Herzberg, ehemaliger Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Hamburg und Schulleiter der Klosterschule, schilderte mit beeindruckenden Worten die Verfolgung seiner Angehörigen im Zweiten Weltkrieg. Er dankte den Kindern und Jugendlichen ausdrücklich für ihre Bereitschaft, sich an diesem für die deutsche Geschichte denkwürdigen Tag mit der Lebensgeschichte verfolgter Blankeneser Mitbürgerinnen und Mitbürger auseinanderzusetzen. 

Sören Sörensen und Ruben Herzberg ©Vera Klischan

Im Anschluss an die Rede zündeten die Kinder und Jugendlichen für jeden ihrer Stolpersteine eine Kerze an und erinnerten namentlich an jede einzelne Person.

Mit einem gemeinsamen Lied ging die Gedenkstunde, die von Anja Schattschneider von der Stadtteilschule Blankenese mit einfühlsamen Worten hervorragend moderiert wurde, zu Ende. Jeder konnte sich an in der Kirche bereit gestellten Stellwänden noch die Biographien anschauen, die die Kinder und Jugendlichen verfasst haben.

Schließlich gingen alle in die Dunkelheit mit dem Wissen, dass an diesem Abend in Blankenese viele Kerzen in den Straßen in stillem Gedenken brennen.


Die Begrüßungsrede von Anja Schattschneider, Stadtteilschule

Die Rede von Ruben Herzog

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