Blankenese im Gespräch

Ein Neuer Ort für Seniorinnen

Die Bewohnerinnen, Bewohner und Geschäftsleitung des Heinrich Schmilinsky Stifts in der Frahmstraße gehen spannenden Zeiten entgegen. Für den geplanten Umzug in den ersten Neubau ist alles im Zeitplan und doch fehlt etwas ganz Entscheidendes, damit sich alle im neuen Zuhause wohl fühlen können.

Wenn Susanne Schroeder und Alexandra Kümpers-Schopen vom Großprojekt der Heinrich Schmilinsky Stiftung in Blankenese erzählen, ist der Enthusiasmus unüberhörbar. Insgesamt 139 Wohnungen für Seniorinnen und Senioren in drei Neubauten werden in der Frahmstraße und in der Mörikestraße entstehen. Und doch schwingt beim Ausblick auf die kommenden Monate ebenso viel Respekt in den Stimmen von Geschäftsführerin Schroeder und Vorstandsmitglied Kümpers-Schopen mit, denn der Zeitplan ist klar getaktet.

Alexandra Kümpers-Schopen und Susanne Schroeder vor dem Rohbau der neuen Häuser der Heinrich Schmilinsky Stiftung
Noch eine Baustelle, aber Alexandra Kümpers-Schopen und Susanne Schroeder sind sicher, dass zum Jahreswechsel die ersten Senioren in die neuen Häuser der Heinrich Schmilinsky Stiftung umziehen können.

Der erste von zwei Bauabschnitten kommt gut voran und ab Ende Januar sollen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner aus ihrem gewohnten Zuhause in eine der neuen 52 anderthalb Zimmerwohnungen umziehen. Jede Woche sind mindestens sechs Umzüge geplant – bis in den März hinein. Dann kommt die Abrissbirne, die den alten Wohnungen aus den 70er und 80er Jahren den Garaus macht und unweigerlich den zweiten Bauabschnitt einleitet.

„Die Umzüge werden anstrengend und aufregend“, prognostiziert Susanne Schroeder, deren Tätigkeit viel mehr umfasst als „nur“ das Führen der Geschäfte. Die Menschen vor dem Umzug unterstützen, Habseligkeiten in Kartons packen und beim Ankommen in den neuen vier Wänden begleiten, all das sei machbar, ist sie sich sicher. Aber mit dem unmittelbar folgendem Abriss verschwindet ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit und des Zusammenlebens im Stift: der Gemeinschaftsraum im alten Gebäudekomplex.

Spenden für neuen Gemeinschaftsraum

Im neuen Haus 1 gibt es zwar auch einen Gemeinschaftsraum, der ist aber sprichwörtlich nackt. „Der Neubau ist durch öffentliche Gelder der Investitions- und Förderbank sowie durch Eigenmittel finanziert, jedoch nicht die Ausstattung“, erklärt Alexandra Kümpers-Schopen. Für das vielfältige Kulturangebot, Weiterbildungen und das bewegungstherapeutische Programm im Stift müsse der Gemeinschaftsraum unter anderem flexibel eingeteilt werden können. „Die Trennwände allein kosten mehrere zehntausend Euro. Hinzu kommen Kosten für eine hygienegerechte Bestuhlung, Beleuchtung, Multimedia-Ausstattung und Technik, die Menschen mit Hörgeräten gerecht wird.“ Insgesamt, so schätzt Kümpers-Schopen, müsse mit hohen Ausgaben gerechnet werden.

Der Stiftungsvorstand hofft auf Spenden, um diese Ausgaben decken zu können. „Das breitgefächerte Kursangebot war schon immer Schwerpunkt im Heinrich Schmilinsky Stift“, ergänzt Kümpers-Schopen, die ehrenamtlich im Vorstand mitarbeitet. Der neue Raum soll auch anderen Akteuren im Stadtteil zugänglich sein, um „den kulturellen und generationsübergreifenden Austausch“ zu fördern.

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Geschichte der Heinrich Schmilinsky Stiftung


Münze mit den Konterfeis von Heinrich und Caecilie Schmilinsky
Ende des 19. Jahrhunderts wollen der Hamburger Kaufmann Carl Heinrich Schmilinsky und seine Frau Frau Amalie Caecilie unversorgte Frauen unterstützen und aus sozialer Not befreien. Sie stiften ihr Vermögen und lassen in den Jahren 1894/95 in der Schmilinsky-Straße in St. Georg das Heinrich Schmilinsky Stift bauen. Etwa 50 Jahre später wird das Stiftsgebäude von Bomben fast vollständig zerstört. 1953 veräußert die Stiftung das Grundstück in St. Georg an die Stadt und kauft ein Grundstück in der Frahmstraße in Blankenese. In den folgenden Jahrzehnten werden dank privater Spenden, Zuwendungen anderer Stiftungen sowie behördlicher Unterstützung, angrenzende Grundstücke für Neubauten dazu erworben. Bis zum Jahr 2001 wächst die Servicewohnanlage für Senior:innen auf fünf Häuser mit insgesamt 70 Wohnungen an

Die Stiftung richte sich an Seniorinnen aber auch Senioren mit kleinem Einkommen, sagt Geschäftsführerin Schroeder. Dabei sei es ein wesentliches Anliegen, Menschen bis ins hohe Alter körperliche und geistige Beweglichkeit und Flexibilität zu eröffnen, damit sie so lange wie möglich selbstständig in ihren eigenen vier Wänden leben können. Und genau dieser Anspruch habe das Neubauprojekt unumgänglich gemacht.

Die Hamburgische Wohn- und Betreuungsbauverordnung macht strenge Vorgaben für Wohneinrichtungen wie die der der Heinrich Schmilinsky Stiftung. So müssen nicht nur beispielsweise Wohn-, Aufenthaltsräume oder Badezimmer barrierefrei sein, auch „die zum Gebrauch der Nutzerinnen und Nutzer bestimmten technischen Einrichtungen einschließlich akustischer und visueller Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen müssen den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe entsprechend barrierefrei sein“, schreibt die Verordnung vor. Es ist also keine technische Verspieltheit, dass der neue Gemeinschaftsraum eine teure Ausstattung dringend benötigt. Es ist gesetzliche Vorschrift. Auch die Lehren aus der Corona-Pandemie mit ihren strengen Hygienekonzepten haben die Anforderungen an einen Gemeinschaftsraum nochmals nach oben geschraubt.

Grafik vom Neubau des Heinrich Schmilinsky Stift
Nach Abschluss der zweiten Bauphase im Jahr 2024 bietet das Heinrich Schmilinsky Stift insgesamt 88 Anderthalb-Zimmer-Wohnungen zwischen 34 und 40 Quadratmetern.

Die alten Wohnungen hätten den Vorgaben nicht mehr genügt, resümiert Susanne Schroeder. Eine Sanierung wäre deutlich teurer gewesen als das Prinzip „Erneuern durch Ersetzen“. Es sei von Grund auf neu geplant worden, was auch neue Wege erforderte.

Von 70 auf 139 Wohnungen

Um das Vorhaben überhaupt finanzieren zu können, wurde ein Teil des Grundstücks an die Erna Baur-Stiftung verkauft und zwischen den Stiftungen zugleich eine Kooperation geschlossen. Dort wo heute noch die alten Wohn- und Verwaltungsgebäude stehen, werden ab Februar 2022 im zweiten Bauabschnitt 51, frei finanzierte Wohnungen der Erna Baur-Stiftung entstehen. Auf dem Grundstück der Heinrich Schmilinsky Stiftung werden zusätzliche 36 öffentlich geförderte, preiswertere Wohnungen gebaut. 2024 kann die Heinrich Schmilinsky Stiftung dann insgesamt 88 Sozialwohnungen, für die ein § 5-Schein oder § 6-Schein notwendig ist, anbieten. Mit den 51 freien Wohnungen der Erna Baur-Stiftung bieten beide Stiftungen dann zusammen 139 Wohnungen, was einer Verdopplung der heutigen Kapazität entspricht.

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