Elbvorortekrimi in feinster Tatort-Manier

„Vergiss den Tod“ heißt der neue Hamburger Kriminalroman aus dem Junius Verlag, der vor allem in Nienstedten spielt und neben einem packenden Kriminalfall auch Demenz und den Umgang mit den Betroffenen zum Thema hat. Ein spannender Krimi, den man nicht aus der Hand legen möchte

Die Elbvororte sind Schauplatz des neuen Hamburg-Krimis „Vergiss den Tod“ © blankenese.de

Alles beginnt damit, dass wieder einmal eine Seniorin in der Waitzstrasse Bremse und Gaspedal verwechselt. Doch diesmal gehen nicht nur Schaufensterscheiben zu Bruch, sondern der Mann von Anna-Lena Benzow wird tödlich zerquetscht. Am Steuer: Seine eigene Frau. Die zu diesem Zeitpunkt bereits an Alzheimer erkrankt ist und über ein Millionenvermögen verfügt.

Auf diesen Unglücksfall folgt eine Mischung wohlbekannter menschlicher Niederungen, deren Akteure im Laufe des Krimis nach und nach vorgestellt werden. Da ist der gekränkte, als Künstler nur wenig erfolgreiche Stiefsohn, der um sein Erbe fürchtet. Dazu der neue Freund der Witwe, ein echter Unsympath, auf den die Bezeichnung Erbschleicher besser passt als Heiratsschwindler. Ergänzt wird das für die Erkrankte lebensgefährliche Duo um den verschlagen wirkenden Justitiar einer Stiftung, der mit den Stiftungsgeldern ganz andere Absichten verfolgt.

Auf der menschlich postiven Seite die Freunde von Anna-Lena Benzow: Ein nicht immer kirchenkonform agierender Pastor und eine Kriegsreporterin mit Migrationshintergrund, die das perfekte Ermittlerduo für diesen und weitere Fälle bilden. Sie erhalten Verstärkung von der schwedischen Jugendfreundin der Unglücksfahrerin, die für ihre Freundin über Leichen geht.

Trotz der vielen Personen, die für die Geschichte maßgeblich sind und Stück für Stück immer intensiver mit ihrer individuellen Biographie vorgestellt werden, behält der Lesende den Überblick über das Geschehen und wird Teil der Lebens- und Liebesgeschichte von Anna-Lena und Fritz Benzow, dem gewaltsamen Unfalltod und dem anschließenden Leiden der demenzkranken Witwe.

Dabei wird deutlich, dass die beiden Autoren, Journalist und Autor Peter Wenig und Theologe und Ökonom Hans-Stephan Haas, für ihren gemeinsamen Erstling aufwändig und sorgfältig recherchiert haben. Auch wenn die Geschichte in der vorliegenden Form fiktiv ist, könnte sie sich so zugetragen haben. Die Spielstätten sind alle bekannt und die Hauptakteure kennt man doch von irgendwoher – oder zumindest so ähnlich.

„Vergiss den Tod“ ist ein gut geschriebener, schnell zu lesender Hamburg-Krimi mit einem ernsten Hintergrund. Eine gute Lektüre für den beginnenden Herbst.

Übrigens: In der Buchhandlung Kortes an der Elbchaussee findet am 10. November um 19 Uhr eine Lesung mit den beiden Autoren und Demenz-Experte und nun Kortes-Mitinhaber Florian Wernicke statt.

Vergiss den Tod
Ein Hamburger Kriminalroman
Hanns-Stephan Haas, Peter Wenig
336 Seiten, Softcover
16,00 Euro
ISBN 978-3-96060-559-1

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