Was macht eigentlich ein Küster?

Küster – ist das nicht ein Amt aus grauer Vorzeit? Schon als Kind war mir der Küster in der Kirche vertraut. Er war einfach da, im Hintergrund, ohne dass ich irgendeine Vorstellung von seinem Tun hatte.

Und nun bin ich selbst eine Küsterin. So ganz ohne Vorwarnung und Ausbildung, einfach ins kalte Wasser der evangelischen Kirche am Markt gesprungen. 

Heute habe ich Dienst im sonntäglichen 10-Uhr Gottesdienst. Schon kurz nach 9 Uhr betrete ich die leere Kirche, darf sie sogar aufschließen. Schlüsselgewalt nennt man das.

Ich treffe meine Mitstreiterin, meine Küsterkollegin. Nun beginnt unser gemeinsamer Countdown. Bis 10 Uhr muss alles für einen reibungslosen Ablauf vorbereitet sein. Wir richten die ausliegenden Zettel in eine ansprechende Form, kontrollieren die Toilette auf Sauberkeit und Papier. Auch das gehört zum Küsterdienst. 
Dann die Technik! Wir fahren das Mischpult aus. Drücken die nötigen Knöpfe und legen uns den Stick zur Aufnahme der Predigt bereit. Bloß nicht vergessen! Beleuchtung der Kirche, Körbe für die Kollekte bereitstellen, alles im Galopp, denn die zeitraubende Arbeit wartet noch. Alle Gesangbücher müssen mit dem aktuellen Gottesdienstzettel bestückt werden. Wir arbeiten im Akkord. Buch für Buch erhält einen Zettel bis wir einen beachtlichen Stapel neben der Kirchentür aufgebaut haben.

Dann rasen wir Richtung Altar.

Nachschub an Teelichtern holen für die Gedenkkerzen der Verstorbenen. Alle Kerzen werden ordentlich in die Schublade einsortiert. In der Sakristei holen wir die Mikrofone für den Altar und die Kanzel und schließen sie entsprechend an. Erleichterung, weil alles am Platz liegt. Kein Suchen!

Zwischendurch immer der Blick zur Uhr, denn um 9.55 Uhr werden wir alle Glocken läuten. Inzwischen ist auch die Pastorin eingetroffen. Kurze Rücksprache zum Ablauf und ein Gebet im kleinen Kreis. Ja, spätestens jetzt sind wir ein Team, das sich verantwortlich fühlt für den Gottesdienst in unserer Kirche.

Wir zünden die große Osterkerze an, die Altarkerzen und schauen uns noch einmal um. Alles fertig!
Wir gehen nach hinten, öffnen alle Türen, begrüßen jeden einzelnen und verteilen die Gesangbücher. Die Glocken, die pünktlich von uns in Schwung gebracht wurden, läuten die sonntägliche Stunde in der Kirche ein. 

Die Pastorin zieht ein und wir dürfen uns erleichtert auf die Plätze an der Wand fallen lassen immer in Erwartung noch nachkommenden Kirchenbesuchern und Besucherinnen. Wir lassen uns vom vertrauten Ablauf des Gottesdiensts mittragen, singen die Lieder, beten die Psalmen und bleiben auch jetzt noch ein wenig „im Amt“, wenn wir die Anzahl der Besucher überschlagen, um sie hinterher einzutragen, auf dem Sprung sind, um die Gedenkkerzen vorne anzuzünden und vor allem für das Glockengeläut des „Vater unser“.

Am Ende des Gottesdienstes entlassen wir mit einem sonntäglichen Gruß und bereit gehaltenen Kollektenkörben die Gäste des Gottesdienstes und freuen uns, dass alles gut geklappt hat. 

Was bedeutet eigentlich Küster? Es kommt aus dem Lateinischen von Custos, Wächter, Hüter. Allerdings vermerkt Wikipedia, dass auch Hausmeisterdienste zum Aufgabenfeld des Küsters gehören. Über unsere Kirche zu wachen, sie zu behüten und ihr als Hausmeisterin zu dienen…. ich fühle mich als Teil der Kirche, Tür aufschließen, Glocken läuten, die Menschen begrüßen.
Einfach schön! 

Vera Klischan

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